Woher kommt das Geld?
Teresa Vena & Adrien Kuenzy 26. September 2024
Die Diskussionen sind nicht neu. Die Studie zur öffentlichen Filmförderung, die das Bundesamt für Kultur in diesem Jahr auswertet, legt es nun nochmals nahe: Angesichts der Entwicklungen und der konstant hohen Ambitionen des Schweizer Filmsektors reichen die Mittel aus den öffentlichen Töpfen nicht aus. Ob es im Zuge dieser Studie zu konkreten und umfangreichen Reformen des Schweizer Systems kommen wird, muss sich zeigen. Dass sich der Sektor so oder so nach weiteren und alternativen Finanzierungsquellen umsehen sollte, scheint unumgänglich. Bekannterweise ist Mäzenatentum im Filmbereich nicht sehr verbreitet. In der Schweiz hat es eher Tradition, dass sich wohlhabende Privatpersonen oder Unternehmen, die sich für die Künste interessieren, in den Bereichen der Bildenden Kunst aktiv werden oder ethnografische Artefakte sammeln. Die Fondation Beyeler in Riehen, Gianadda in Martigny, das Paul Klee-Zentrum in Bern, die Stiftung Bodmer und das Museum Barbier Müller in Genf sind nur einige Beispiele dafür.
Vielleicht fehlt dem Film noch der nötige Sammlerwert oder dem Medium haftet innerhalb der Künste immer noch ein Ruf des Profanen an. Manche bezeichnen ihn allerdings auch als die «vollständigste aller Künste», vereint er doch mehrere Disziplinen in einer.
Wie dem auch sei, beim Film muss man also eher nach Investoren suchen. Dafür muss das Produkt, in das investiert werden soll, attraktiv genug sein und eine Rendite versprechen. Der Erfolg von Filmen oder Serien ist aber nur schwer vorauszusagen. Dennoch gibt es ein paar Kriterien, die zumindest auf einen künftigen Erfolg deuten lassen. Der Schweizer Markt ist klein. Sicher ist es daher ratsam, mehr als diesen anzuvisieren. Grösser denken also?
Einige Initiativen, wie der Schweizer Film «Mad Heidi», haben die Wirksamkeit von einer Gruppenfinanzierung bewiesen. Durch die Mobilisierung einer Investorengemeinschaft hat dieses Projekt nicht nur erhebliche Mittel aufgebracht, sondern auch das Engagement der Öffentlichkeit gestärkt, indem es den Geldgebern einen Anteil am Gewinn anbot. Diese Methode stellt auch das traditionelle Vertriebsmodell auf den Kopf: Ist es langfristig tragbar, einen Film nach dem Vorbild der grossen Plattformen direkt über die eigene Internetseite zu verbreiten?
Auf internationaler Ebene erforschen Unternehmen wie Jacaranda und Critical Mass Films andere Wege, insbesondere «Slate Deals», also Paket-Angebote, und die Finanzierung des Marketings in der Endphase der Produktion. Diese Strategien scheinen eine bessere Risikoverteilung und einen effizienteren Vertrieb zu ermöglichen und damit die Erfolgsaussichten der Produktionen zu erhöhen.
Damit der Schweizer Film auf der internationalen Bühne mithalten kann, scheint es notwendig, diese neuen Finanzierungsformen zu erforschen und umzusetzen. Die Schaffung günstiger Bedingungen für private Investoren sowie die Einführung von Anreizmodellen, die denen anderer Länder ähneln, könnten dem Sektor frischen Wind verleihen. Parallel dazu können die Zusammenarbeit mit internationalen Partnern und die Suche nach neuen Finanzierungswegen den Horizont des Schweizer Films erweitern und seine Sichtbarkeit auf globaler Ebene erhöhen.
Die Debatte ist eröffnet. Die Zukunft des Schweizer Films wird von seiner Fähigkeit abhängen, diese Chancen zu nutzen und sein Finanzierungsmodell umzugestalten, um in eine neue fruchtbare und innovative Ära einzutreten.