Was tut Swiss Films für  den Kurzfilm?
Filmstill aus «La femme et le TGV» von Timo von Gunten. © Innovative Eye

Was tut Swiss Films für den Kurzfilm?

Pascaline Sordet 31. Oktober 2025

Die Promotionsagentur des Schweizer Films verfügt über verschiedene Instrumente zur Unterstützung des Kurzfilms und profitiert von einem unermüdlichen Verfechter dieses gefährdeten Formats.

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Der Kurzfilm ist kein zweitrangiges Format. Der Beweis? Seit 20 Jahren haben es nur zwei Langfilme aus der Schweiz in die Oscar-Auswahl geschafft: der Animationsfilm «Ma vie de Courgette» und der Dokumentarfilm «I am not your Negro». Kein einziger Spielfilm. In derselben Zeitspanne ist es stattdessen nicht zwei oder drei, sondern gleich vier Schweizer Kurzfilmen gelungen: «Auf der Strecke» von Reto Caffi, «Parvaneh» von Talkhon Hamzavi, «La femme et le TGV» von Timo von Gunten und «Ala Kachuu» von Maria Brendle. Grundlage für einen solchen Erfolg ist die Sichtbarkeit an Festivals. Letztere gibt es in allen Ländern, zu allen Themen, von hoch spezialisiert bis massentauglich. Sich in diesem überbordenden und hart umkämpften Angebot zurechtzufinden und durchzusetzen, ist schwierig.

Rundumbetreuung

Deshalb können Produzierende, Regiepersonen und Filmschulen auf die Unterstützung von Sylvain Vaucher zählen: Der Verantwortliche für Kurzfilme bei Swiss Films, der Promotionsagentur des Schweizer Films, arbeitet Hand in Hand mit den Filmteams, um ihnen die Orientierung zu erleichtern: «Ich bin an der Schnittstelle zwischen den Schweizer Filmschaffenden und ausländischen Programmverantwortlichen, Festivaldelegierten und Medienschaffenden sowie weltweiten Vertriebs- und Verleihfirmen.»

Als erfahrener Kenner des Marktes berät er die Rechteinhaber in Bezug auf die Platzierung ihrer Filme und die Einschätzung des Potenzials laufender Produktionen: «Produktionsfirmen können Kontakt mit mir aufnehmen, um über ihre Filme zu sprechen. Da ich allein bin, muss ich eine Auswahl treffen, um innert sinnvoller Frist guten Rat zu bieten. Wenn ein Film ausgewählt wird und gewisse Bedingungen erfüllt, kann Swiss Films finanzielle Unterstützung anbieten, damit Regisseure und Regisseurinnen, Produzenten und Produzentinnen an Festivals reisen und sich ein Netzwerk aufbauen können.

Parallel dazu berät Vaucher Festivals, die Schweizer Filme zeigen möchten, sei es in speziellen Programmen oder im Rahmen eines Schwerpunktes, zum Beispiel über einen Schweizer Filmemacher. Diese Arbeit steht im Zentrum des Promotionsauftrags von Swiss Films. Durch die Präsenz an Märkten und internationalen Festivals sowie die Organisation von Vorschauen will Swiss Films das Interesse der Programmverantwortlichen wecken.

“Für eine Auswahl von 30 Werken schauen wir uns 150 bis 200 Kurzfilme an; es findet also eine Kuration statt. Wir versuchen, ein Gleichgewicht zu finden zwischen den verschiedenen Sprachregionen, Genres und anderen Kategorien sowie zwischen unabhängigen Filmen und Studentenfilmen.”
Sylvain Vaucher

Selektive «Line-ups»

Zu den Promotionsinstrumenten von Swiss Films zählen auch die sogenannten «Line-ups»: kuratierte Filmauswahlen, von denen zwei pro Jahr dem Kurzfilm gewidmet sind. Die erste erscheint vor dem Festival von Clermont-Ferrand im Februar und die zweite im September. «Die ‹Line-ups› geben den Filmen zusätzliche Sichtbarkeit. Sie werden weltweit an all unsere Kontakte verschickt, und ich kann bestätigen, dass sie angeschaut werden. Ich erhalte regelmässig Rückmeldungen von unseren Partnern, es gibt also durchaus eine Dynamik.»

Was kann man tun, damit ein Film in diese heiss begehrte Auswahl aufgenommen wird? «Wir erstellen aufgrund unserer Datenbank Listen von infrage kommenden Filmen. Es ist daher wichtig, Informationen zu den Filmen auf dem Swiss Films-Portal zu erfassen und regelmässig zu aktualisieren.» Dies sollte bereits in einem frühen Stadium geschehen, denn die Listen enthalten auch Filme, die noch in Produktion sind. «Für eine Auswahl von 30 Werken schauen wir uns 150 bis 200 Kurzfilme an; es findet also eine Kuration statt. Wir versuchen, ein Gleichgewicht zu finden zwischen den verschiedenen Sprachregionen, Genres und anderen Kategorien sowie zwischen unabhängigen Filmen und Studentenfilmen.» Vaucher hat bei der Auswahl seit letztem Jahr durch die freie Programmkuratorin Annina Wettstein externe Unterstützung: «um sich auszutauschen und nicht allein zu entscheiden.» Im Bereich des Animationsfilms, der viele sehr schöne Kurzfilme hervorbringt – und dem ein eigenes ‹Line-up› mit Kurz- und Langfilmen gewidmet ist – wird die Auswahl intern gemeinsam mit dem Programmverantwortlichen bei Swiss Films, Marcel Müller, getroffen.

Die «Short Film Library»

Grundsätzlich sind alle Filme der Auswahllisten in der «Short Film Library» zu finden. Die Plattform ersetzt seit 2012 die DVDs und bietet Festivaldelegierten, Käufern und Käuferinnen, Verleihen, Kinobetreibenden sowie Filmjournalisten und -journalistinnen die Möglichkeit, rund 800 Schweizer Kurzfilme direkt zu sichten. Gemäss Vaucher ist sie «ein ausgezeichnetes Instrument, um Sichtbarkeit in Echtzeit zu bieten». Jedoch nicht für alle: «Wir gewähren nur Personen Zugriff, die Inhalte kaufen oder darüber berichten wollen.» Also nicht für Produzenten oder Produzentinnen, Regisseure oder Regisseurinnen!

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