Was ist zu tun?
© Kenza Wadimoff

Was ist zu tun?

Teresa Vena 20. März 2025

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Ein Gefühl der Ohnmacht breitet sich bei vielen Kulturschaffenden aus. Fällt die Kulturförderung in sich zusammen? Überall wird an den öffentlichen Mitteln gekürzt. Wäre die Wetterlage nicht schon trüb genug, machen die rasanten Entwicklungen rund um KI-basierte Programme die Wolken nur noch dunkler. Wie immer in einer Krise ist es jetzt entscheidend, Zeichen der Entschlossenheit und der Solidarität zu setzen. Doch diese vermissen viele.

Im Gespräch meinte eine Kollegin, die Landwirtschaftslobby mache vor, was Zusammenhalt sei. Ist der Vergleich abwegig? An internen Interessenskonflikten fehlt es auch dort nicht. Der Biobauer-Quereinsteiger wird als «Hobbybauer» oder «Sofabauer» belächelt, ganz offen in der Zeitung «Schweizer Bauer». Das ist eine von mindestens acht auflagenstarken Fachzeitschriften, die sich, nur in der Deutschschweiz, die verschiedenen landwirtschaftlichen Verbände leisten. Zur Erinnerung, die Landwirtschaft hält einen Anteil von 0,6 Prozent am Schweizer Bruttoinlandsprodukt, die Kreativwirtschaft 2,1 Prozent, wie es in der aktuellen Kulturbotschaft steht.

Die Kreativwirtschaft hat verschiedene Abteilungen. Musik, Literatur, Bildende Kunst, Tanz, Theater und Film, alle hätten im Kern die gleichen Anliegen: Von – je nach Definition – kreativer Arbeit einen ausreichenden Lebensunterhalt zu erzielen, während man ganz nebenbei zur geistigen Gesundheit und Identität der Gesellschaft beiträgt. Wenn es nicht die Kultur ist, die uns ausmacht, dann was sonst?

Deswegen ist es auch so unsinnig einerseits und bedauerlich andererseits, dass den Kulturschaffenden zuweilen etwas Suspektes anhaftet. So sehr, dass Kulturförderung im politischen Diskurs oft den Kürzeren zieht. Der grösste Teil der Kulturbranche sieht sich nicht als Forum für parteipolitisch radikale oder markierte Positionen. Dennoch lässt es sich nicht vermeiden, dass jede Auseinandersetzung mit der gesellschaftlichen Realität auch eine politische ist. Das ist eine Tatsache, die man für alle Mal zugestehen muss. Jeden Film, den man produziert, wen man sich dabei als Partner sucht, wen man vor und wen man hinter die Kamera stellt, an welches Publikum man sich richtet und wie man sich an dieses richtet, alles ist eine Positionierung.

Dieser Verantwortung sollten wir uns bewusst sein und für uns nutzen. In Berlin ist man auf die Strasse gegangen, als der Kultursenator eine Kürzung des Kulturbudgets um 13 Prozent angekündigte, auch in Basel gab es eine Kundgebung, um gegen das Einstellen einzelner Radiosendungen bei der SRG zu protestieren. Das ist das eine. Das andere ist, mit unseren Beiträgen relevant zu sein. Das bedeutet auch, in den Diskussionen um den Vormarsch von Technologien, wie jetzt bei generativer KI, mitzugestalten, kritisch zu hinterfragen und solidarisch zu sein – denn kurzfristig spüren die Folgen Synchronsprecher oder die Animationsfilmproduktion, langfristig gehen vielleicht wichtige Kompetenzen verloren, wenn wir sie nicht schützen.

Jedes Feld der Filmkreativwirtschaft, mag sie nun so klein sein wie die schweizerische – oder vielleicht gerade deswegen –, trägt dazu bei, dass sie als Gesamtheit eine Zukunft hat. Dazu gehört auch ein Filmjournalismus, der nicht nur «Daumen nach oben» oder «Daumen nach unten» verteilt, genauso wie das Kino als gemeinsamer Ort der Begegnung oder ein nicht von Oligarchen diktiertes Fernsehsenderangebot.

Teresa Vena
Co-Chefredaktorin

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