Publika und neue Grenzen
Teresa Vena und Adrien Kuenzy 1. November 2024
Während sich heute die Türen des Geneva International Film Festival öffnen, um eine farbenfrohe 30. Ausgabe zu feiern, bietet die Veranstaltung eine wertvolle Gelegenheit, die neuen Dynamiken des Publikumskonsums zu erforschen. Der diesjährige 12. Geneva Digital Market etabliert sich als ein unumgängliches Treffen für Fachleute, zu einem Ort, an dem sie den Puls aufkommender Tendenzen der Branche fühlen können.
Unter den Schwerpunkten wird die künstliche Intelligenz - wieder einmal - einen wichtigen Platz in den Diskussionen einnehmen. Passend dazu findet Anfang November ein Symposium mit dem Titel «CLTR 2024 - Wo Urheberrecht und KI aufeinandertreffen - Die Zukunft des Kreativschaffens in der Schweiz» statt. Organisiert vom Eidgenössischen Institut für Geistiges Eigentum werden daran die wichtigsten Vertreter und Vertreterinnen von Kulturinstitutionen teilnehmen.
Über das Kino von morgen nachzudenken, bedeutet, die Entwicklungen von heute zu überdenken. Während die Vorführsäle allmählich wieder in neuem Glanz erstrahlen, ist es nach wie vor notwendig, die Entwicklung der Konsumgewohnheiten und die strukturellen Veränderungen des Marktes zu hinterfragen. Die Studie «Entwicklung der Filmförderung» des Bundesamts für Kultur ist zwar noch nicht in ihrer endgültigen Fassung erschienen, aber zahlreiche Seminare haben der Filmbranche bereits Gelegenheit gegeben, über die bevorstehenden Reformen nachzudenken.
In der Zwischenzeit haben wir die Perspektive von Bundesrätin Elisabeth Baume-Schneider eingeholt, die die essentielle Bedeutung des Kinos für die Schweizer Bevölkerung hervorhebt. Die Kulturministerin, die trotz der jüngsten Budgetkürzungen optimistisch in Bezug auf die Zukunft des Sektors ist, hebt die wesentliche Rolle internationaler Koproduktionen hervor, nicht nur für die Sichtbarkeit der Projekte, sondern auch für die Bewahrung einer kulturellen Vielfalt. Ihr Engagement ist wesentlich, um die Hoffnung auf eine vielversprechende Zukunft für den Schweizer Film zu nähren.
Einen Einblick in diese Zukunft gibt das Programm der Internationalen Kurzfilmtage in Winterthur, die in diesen Tagen ebenfalls an den Start gehen. Der neue Kurzfilm des Genfer Filmemachers Alexander Schild, dem wir in dieser Ausgabe ein Porträt widmen, ist nur einer der Schweizer Beiträge am Festival. Einmal mehr wird sich beweisen lassen, dass sich Schweizer Talente im internationalen Vergleich messen können. Das alljährliche Format des Filmschulentags sei zudem allen wärmstens empfohlen, die von den ganz neuen Stimmen erfahren möchten.
Das Jahr neigt sich dem Ende zu. Es war ein erreignisreiches für den Schweizer Filmsektor. Und mit der Verleihung der Europäischen Filmpreise bekommt es seine festliche Krönung. Vieles hat in diesem Jahr Grund zur Freude gegeben, doch man ist sich auch einig, dass genauso anspruchsvolle Herausforderungen zu meistern sein werden. Gehen wir es gemeinsam an.
Adrien Kuenzy und Teresa Vena
Chefredaktion