In aller Kürze
Teresa Vena 31. Oktober 2025
Die Internationalen Kurzfilmtage Winterthur feiern ihre 29. Ausgabe. Auf den Kurzfilm spezialisierte Festivals sind eine wesentliche - oft die erste, manchmal die einzige - Plattform für die kurze Form, die hier ein Schaufenster findet, deren Schöpfer und Schöpferinnen sich mit den Arbeiten anderer Filmschaffenden messen können und in den Austausch mit Fachleuten kommen.
Es ist eine erstaunliche Entwicklung, die der Kurzfilm durchgemacht hat. Film war in seiner ursprünglichen und meistverbreiteten Form erst kurz. Nachdem der Langfilm entstanden war, wurde er mit diesem noch lange Zeit in kombinierten Programmen gezeigt. Das Modell Vorfilm ist aber nur noch selten im Kino zu sehen. Der Kurzfilm muss um seine Sichtbarkeit kämpfen.
Wenn es sich nicht um spezifisch kuratierte Kurzfilmblöcke handelt, ist die Auswertung von Kurzfilmen im Kino anspruchsvoll. Es gilt, sich einen Überblick über die Fülle der Werke zu verschaffen, Rechte einzeln abzuklären und nicht zuletzt die Gewohnheiten des Publikums herauszufordern. Will man Kurzfilme mit abendfüllenden Filmen zusammen zeigen, muss sich der Kurzfilm vom meist üblichen Werbeblock abheben können, diesen verlängert er zudem zusätzlich. Von einem Verständnis der Besucher und Besucherinnen dafür kann man nicht grundsätzlich ausgehen, sagt Frank Braun von den Neugass-Kinos im Gespräch. Und auch Bruno Quiblier von Base-court, der über mehrere Jahre Kurzfilme in über hundert Kinos der Westschweiz brachte, den Kinos die gesamte organisatorische Arbeit abnahm, berichtet von den Widerständen, denen er begegnet ist.
Kurzfilme fest in den Kinoauswertungsplan einzubeziehen, bedarf entsprechender Mittel. Es fehlt auch an Anreizen, die diesen Mehraufwand kompensieren würden. Kurzfilme lassen sich nicht den gleichen Marktbedingungen unterwerfen wie Langfilme. Das sehen alle, die sich von der Produktion bis zum Vertrieb damit beschäftigten.
Man könnte meinen, dass das digitale Zeitalter für den Kurzfilm einen Aufschwung an Sichtbarkeit bedeutet, doch das gilt nur in beschränkter Weise. Eine Chance ist es, wenn Sender ihre Programme online ergänzen und anders auswerten, hier können Kurzfilmprogramme ein neues Fenster bekommen. Die Herausforderungen sind aber auch online nicht unbedeutend, unter anderem wegen der riesigen Konkurrenz an Formaten.
Unsere Recherchen, die in verschiedene Artikel in dieser Ausgabe eingeflossen sind, zeichnen in Bezug auf die Wertschätzung, die Stellung auf dem gesamten Filmmarkt und die Auswertung des Kurzfilms ein eher pessimistisches Bild. Ganz anders ist es aber, wenn man sich wieder einmal vor Augen führt, in welcher Vielfalt die kurze Form fortwährend entsteht. Sichtbar wird aus den zahlreich stattgefundenen Gesprächen, welche Leidenschaft unter Gleichgesinnten vorhanden ist, sei es bei den eigentlichen Schöpfern und Schöpferinnen der Werke oder bei den vielen Personen, die sich oft in unermüdlichen Einzelinitiativen um die Zirkulation und die Aufwertung des Kurzfilms bemühen.
Einige dieser Perspektiven sind bei uns, aber auch im nächsten CINEMA-Jahrbuch, das für seine Ausgabe 2026 dem Kurzfilm einen Schwerpunkt widmet, nachzulesen. Dieses gemeinsame Interesse hat unsere beiden Medien dazu veranlasst, eine Zusammenarbeit einzugehen, indem wir Artikel und Schreibende ausgetauscht haben.
Ganz nach dem Motto «Das Leben ist kurz»: Es bleibt, eine kurzweilige Lektüre zu wünschen.
Teresa Vena
Co-Chefredaktorin