Für eine kulturelle Vielfalt
© Kenza Wadimoff

Für eine kulturelle Vielfalt

Teresa Vena 25. Juli 2025

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Die Zahlen sind mittlerweile bekannt. Indem der Bundesrat beschlossen hat, die Medienabgabe auf 300 Franken zu reduzieren, wird sich bis 2029 das Budget der SRG um insgesamt 270 Millionen Franken, also um 17 Prozent, verringern. Die daraus zwingend erforderlichen Sparmassnahmen leitet das Haus ab sofort ein. Schlagwörter wie «schlanker» und «beweglicher» begleiten diese Bemühungen, die Teil eines umfangreichen Transformationsprozesses sein sollen. Wenn die Verwaltung einer staatlichen Institution effizienter wird, ist das immer zu begrüssen. Angesichts des sich ändernden medialen Konsumverhaltens in der Schweiz wie weltweit scheint es auch sinnvoll, die eigene Ausrichtung zu durchleuchten und allenfalls anzupassen. «Digitaler» wolle man fortan in diesem Zusammenhang denken. So weit also, so gut.

Welche Auswirkungen wird dieser Transformationsprozess auf die Schweizer Filmindustrie haben? Einzelheiten werden nur zögerlich bekannt. Bestimmte Programmformate und davon abhängende Arbeitsplätze fallen weg, unter anderem in der Filmberichterstattung. Der Pacte de l’audiovisuel ist seit dreissig Jahren eine wesentliche Finanzierungsquelle für den Schweizer Film. Die bis 2027 dafür veranschlagten 34 Millionen Franken sind gesichert. Nicht vergessen sollte man, dass der SRG dieses Engagement mehr als diesen Betrag kostet, da ihr Verwaltungsaufwand noch dazukommt. Was nach 2027 passiert, bleibt unklar. Und sollte die Volksinitiative, die eine Reduktion der Medienabgabe auf 200 Franken anstrebt, 2026 angenommen werden, könnte dies auch das Aus für den Pacte bedeuten. Das beschönigt Susanne Wille, die Generaldirektorin der SRG, nicht.

Das ist für die Schweizer Filmbranche wohl Motivation genug, um gegen die Initiative zu sein. Vom Bundesamt für Kultur wäre keine Kompensation der fehlenden Mittel zu erwarten. Die «Lex Netflix» wiederum würde diese Lücke auch kaum schliessen können, weder in finanzieller Hinsicht, noch wenn es darum ginge, in der audiovisuellen Produktion eine schweizerische kulturelle Vielfalt zu erhalten.

Wie wichtig ist uns Kultur überhaupt? Wie oft haben wir diese Frage schon gestellt? Die «Taskforce Culture» formuliert sie dieser Tage wieder deutlich. Die Vereinigung, die 2020 zur Zeit der Corona-Pandemie eine neue Dringlichkeit für die Verteidigung des Kulturschaffens gesehen hat und aus rund 100 Kulturverbänden und -institutionen der Schweiz besteht, prangert gegenüber der Politik eine Vernachlässigung und Benachteiligung an. Auf Kultur könne man verzichten, glaube die Regierung mit ihren Sparmassnahmen. Kultur spiele in bilateralen Beziehungen keine Rolle, müsse man annehmen, da die Wiedereingliederung an Europe Creative MEDIA nicht Gegenstand der Verhandlungen mit der EU seien.

Die Antwort auf die Frage also: Kultur ist uns nicht wichtig genug. Das hat die Schweiz schon viele Male so bewiesen. In Berlin zum Beispiel wird in der Botschaft die Kulturabteilung mit der Wirtschaftsabteilung zusammengelegt, Schweizer Kulturattachés weltweit sind meist allgemeine Diplomaten, die sich mit dem Bereich nur sehr wenig auskennen. Ihre Budgets sind lächerlich klein. Für Deutschland sind es 25’000 Franken im Jahr, die auf die vier Landesvertretungen aufgeteilt werden. Damit kann man allenfalls einen Apéro hier und einzelne Reisekosten da abdecken. Für grössere Projekte (wie der Fokus Schweiz beim Internationalen Trickfilm-Festival in Stuttgart) braucht es Sponsoren oder Mittel aus dem Tourismus und dem politischen Marketing (über Präsenz Schweiz zum Beispiel).

Spielt die Kulturaussenpolitik also kaum eine Rolle, weil man die eigene Kultur nicht ernst nimmt – und umgekehrt? Die immer gleiche Erwiderung, es gebe gar keine eigene Schweizer Kultur ist eine faule Ausrede. Ohne Kultur existieren wir nicht, weder die Schweiz noch sonst jemand. Kultur ist nämlich auch Lebenspraxis, und diese repräsentiert zu sehen, das ist was zum Zusammenhalt einer Nation beiträgt. Wenn einige also die Institution SRG als ein Symbol, eine Galionsfigur für genau diesen Zusammenhalt sehen, ist das sicherlich etwas überhöht, aber doch nicht falsch.

Teresa Vena
Co-Chefredaktorin

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