Unser Land steht in Sachen Förderung minoritärer Koentwicklung nicht gut da.
Weil die Schweiz vom Creative Europe-Programm MEDIA und somit von dessen 2021 lanciertem Förderprogramm für Koentwicklung ausgeschlossen ist, tun sich unsere Produzenten und Produzentinnen schwer, als Minderheitspartner Finanzhilfen zu finden, insbesondere wenn das Drehbuch aus dem Ausland stammt. Es gibt nur wenige regionale Fonds, die dafür in Frage kommen, sodass die Produktionsfirmen oft ihr eigenes Geld investieren müssen. Förderinstrumente für Koentwicklung existieren beispielsweise zwischen Italien und Frankreich oder Deutschland und Frankreich, aber nicht zwischen diesen Ländern und der Schweiz, obwohl sie unsere häufigsten Koproduktionsländer sind. Das neue Förderinstrument soll hier unterstützend einwirken.
Inwiefern ist die Zusammenarbeit unter Koproduzenten und -produzentinnen bereits in der Entwicklungsphase förderlich?
Je später man zum Projekt dazustösst, desto gefestigter ist es bereits. Wir möchten die Zusammenarbeit so früh wie möglich anstossen, um von Anfang an kreative Elemente aus der Schweiz einfliessen zu lassen. Das vereinfacht die Koordination unter den koproduzierenden Ländern auf technischer Ebene und die Finanzierung der Herstellung. Das Förderinstrument unterstützt zum Beispiel Projekte, die Drehorte in der Schweiz oder Zugang zu unseren Archiven benötigen. Eine Koproduktion ist wie eine Ehe: Je mehr Vertrauen aufgebaut wird, desto besser funktioniert die Beziehung.
Denken Sie nicht, dass es für die Hauptproduzentin schwierig sein kann, den Minderheitspartner in die Entwicklung mit einzubeziehen?
Ich glaube, dass der positive Effekt überwiegt, denn eine Sicht von aussen ist oft hilfreich. Koproduktionen ziehen nachweislich mehr Publikum an als rein nationale Filme. In diesem Sinne kann ein internationaler Blickwinkel einem Werk auch eine universell gültigere Identität geben.
Im Zuge der Entwicklung dieses neuen Instruments hat MEDIA Desk Suisse mit verschiedenen Fachleuten der Branche gesprochen. Was ist Ihnen dabei besonders aufgefallen?
Im Gespräch mit den Produzenten und Produzentinnen wurde mir bewusst, dass Koproduktionen mit Ländern, in denen grosse Budgets zur Verfügung stehen, wie Frankreich oder Deutschland, anders ablaufen als mit einem Land wie Kosovo, mit dem zum Beispiel Alva Film arbeitet. Wenn die Mittel vor Ort begrenzt sind, hat dies einen Einfluss auf die Rolle des Schweizer Partners.
Welche konkreten Vorteile kann das neue Instrument bringen?
Junge Drehbuchtalente könnten zum Beispiel an «Writers’ Rooms» teilnehmen und sich so mit erfahrenen Drehbuchautoren und -autorinnen aus dem Ausland austauschen. Unseren Drehbuchnachwuchs zu fördern, ist enorm wichtig.
Was sind die Bewertungskriterien?
Dazu gehören die Qualität und das internationale Publikumspotenzial des Projekts, die Qualität und Kohärenz der Ko-Entwicklungsstrategie, der thematische oder organisatorische Bezug zur Schweiz und die Reziprozität zwischen den Koproduktionsländern. Für Schweizer Autorenschaft gibt es Zusatzpunkte, obwohl sich das Instrument auch an Koproduktionen mit ausländischem Drehbuch richtet. Eine Zusammenarbeit zwischen Schweizer und ausländischen Drehbuchautoren und -autorinnen ist denkbar. An den Bewertungskriterien zeigt sich, dass das neue Förderinstrument nicht Teil der MEDIA-Ersatzmassnahmen ist, sondern zu den internationalen Massnahmen des BAK gehört.