Es ist die letzte Ausgabe unter Luciano Barisone.
Kunst, Lobbying und die Geldfrage
16. Mai 2018
Es ist die letzte Ausgabe unter Luciano Barisone. Nach sieben
Jahren verlässt der künstlerische Direktor Visions du Réel,
wir vermuten auch mit etwas Stolz, obwohl der gebürtige Italiener
im Aufritt immer bescheiden (wenn nicht gar öfentlichkeitsscheu)
wirkte: Seit seinem Antrittsjahr 2011 haben
sich die Zuschauerzahlen des Dokumentarflmfestivals beinahe
verdoppelt, obwohl Barisone nie aufs grosse Publikum
spekulierte; seine Selektion bot jeweils eine Mischung aus
anspruchsvollen Arbeiten und Filmen für ein breiteres Publikum.
179 Filme mit 105 (!) Weltpremieren stehen dieses Jahr
auf dem ProgrammȀ die Liste der 36 Schweizer (Ko-)Produktionen
fnden Sie in der Hefmitte in unserer Festival-Agenda,
wo auch Diskussionen, Cocktails und andere Branchenanlässe
aufgeführt sind.
Dazu zählt auch ein politisches Diner: An der «Soirée de
l’audiovisuel indépendant romand» treffen jeweils Filmschafende
und weitere Branchenleute mit Politikern zusammen,
um für flmpolitische Anliegen zu lobbyieren. Wir haben
einige Westschweizer Politiker gefragt, was sie vom Anlass
erwarten und wie Sie es mit dem Kino im Allgemeinen und
dem Schweizer Film im Besonderen halten. Mehrmals wird
dabei «Ma vie de Courgette» zitiert – jener Filmliebling aus
der Romandie (rund 148ʼ000 Eintritte Ende März), der in der
Deutschschweiz, sportlerisch ausgedrückt, bald schon von
Petra Volpes Emanzipationskomödie «Die göttliche Ordnung»
eingeholt werden dürfe (fast 100ʼ000 Eintritte nach
zwei Wochen Laufzeit).
Damit filmpolitische Anliegen eine Chance haben,
braucht es solche Überfieger. Sie helfen auch kleineren,
weniger erfolgreichen Filmen und legitimieren in den Augen
mancher eine ganze Branche.
Auch Cinébulletin nutzt den Rahmen des Festivals für
einen Aufrittǿ An einem in Kooperation mit Visions du Réel,
SSA und Suissimage organisierten und von CB-Redaktorin
Pascaline Sordet moderierten Podium diskutieren Filmschaffende
die Frage, ob Protagonisten von Dokumentarflmen
eigentlich bezahlt werden sollten – oder weshalb nicht. Wir
haben im Vorfeld ein paar Filmschafende zu ihrer Haltung
befragt sowie ein Gespräch mit Arbeitsrechtprofessor Thomas
Geiser über die rechtlichen Aspekte der Frage geführt.
Inspirierende Tage am Léman wünscht
Kathrin Halter