Von einem audiovisuellen Kompetenzzentrum ist die Rede.
Zukunftsprojekte
2. März 2018
Von einem audiovisuellen Kompetenzzentrum ist die Rede.
Von seiner überregionalen Ausstrahlung. Und, natürlich, von
einem Geburtstagsgeschenk ansLocarno Festival(wie das
internationale Filmfestival neuerdings heisst). Was über den
neuen PalaCinema in Locarno auch zu hören ist: Die Erwartungen an das Filmhaus sind hoch. Was sie wirklich einlösen,
werden wir erst nächstes Jahr wissen. Nachdem im Herbst
alle Mieter eingezogen sind und erste Erfahrungen vorliegen.
Und wenn der erste Stresstest vorüber ist: Die 70. Ausgabe
des Filmfestivals.
Dieses wird vom PalaCinema jedenfalls am meisten profitieren: Das Festival kann seine beengten Räumlichkeiten
hinter der Piazza bald verlassen und wesentlich repräsentativere Räume beziehen. Wichtiger noch: Mit der Eröffnung
des Filmhauses gewinnt der grösste Kulturanlass der Schweiz
mit einem Schlag 800 neue Sitzplätze dazu. Hinzu kommt ab
2018 ein grosser Saal samt Terrasse für Empfänge und andere
Anlässe – eine mehr als willkommene Entlastung für die
lange vernachlässigte Festival-Infrastruktur. Carlo Chatrian,
der künstlerische Direktor, betont jedenfalls die «symbolische und die praktische» Bedeutung des Commitments. Wir
haben den (unfertigen) Bau Ende Juni schon mal besucht und
berichten von ersten Eindrücken.
Hoffnungsfroh stimmt ein weiteres Projekt: Viele Film-
produzenten wollen ihre Zersplitterung in drei Verbände
überwinden und SFP, GARP und IG zu einem neuen Gross-
verband vereinigen. Sollte dies gelingen, käme das einem
kleinen Wunder gleich – die Beilegung alter Streitigkeiten,
die aus den Jahren 2001 und 2008 datieren und bis heute
sachliche Diskussionen erschweren.
Seither hat sich allerdings viel getan. Die Verbände sind
sich nicht nur näher gekommen und haben (etwa in den Ver-
handlungen zum letzten Pacte de l’audiovisuel) mehrfach
bewiesen, dass sie zusammenarbeiten können. Vor allem
jüngere Produzenten sind sich bewusst, dass Koproduktions-
und Verleihprobleme wie andere Überlebensfragen besser
gemeinsam angepeilt werden. Auch hat ein einig auftreten-
der Grossverband als Verhandlungspartner mehr Gewicht.
Wer hinter der Fusionsidee steckt und wie gross ihre
Chance ist, erfahren Sie in diesem Heft.
Wie gross die anstehenden Probleme sind, mit der die
Branche kämpft, hat nicht zuletzt jener Artikel in der Zeitschrift Frame gezeigt, der teils grossen Wirbel ausgelöst hat
(«Schweizer Film. So wird der Traum wahr»). Damit mehr
Romands wissen, wovon überhaupt die Rede ist, haben wir
beschlossen, zumindest das Manifest des Artikels ins Französische zu übersetzen und auf unsere Website zu stellen. Die
Diskussion um die (teils steilen) Thesen werden wir in Ciné- bulletin natürlich weiterführen – wie es sich gehört für eine
Branchenzeitschrift.
Glückliche Tage in Locarno wünscht
Kathrin Halter