Françoise Deriaz, Chefredaktorin.
Editorial
24. Oktober 2013
Françoise Deriaz, Chefredaktorin
Das Festival Locarno 2005 stand im Zeichen der Erneuerung. Der Pacte de l'audiovisuel wird 2006-2008 weitergeführt – mit einer jährlichen Zugabe von 2,5 Millionen Franken (19,3 Millionen für die Produktion, also fast so viel wie vom Bund!), während die SRG den Geldsäckel allenthalben enger schnürt. Jean- Frédéric Jauslin, neuer Direktor des Bundesamtes für Kultur, und Nicolas Bideau, neuer Chef der Sektion Film, haben in Locarno die Bühne betreten, Frédéric Maire übernimmt die Zügel des Festivals. Und schliesslich erweckte die Vergabe von drei Schlüsselpositionen an drei Romands alte chauvinistische Geister zu neuem Leben! Der heuer sehr zurückhaltende Pascal Couchepin überliess es Jean- Frédéric Jauslin und Nicolas Bideau, seine Prioritäten zu verfechten: Qualität und Popularität, keine Verzettelung der Hilfen. «Was ist Qualität? Ein Film wird gemacht, um gesehen zu werden […] Doch unsere Mittel reichen nicht aus, um alle Filme, die im Kino erfolgreich sind, zu unterstützen. […] Also muss man unseren besten Autorinnen und Autoren besondere Aufmerksamkeit schenken […] und die Promotion ihrer Filme verbessern», hielt Nicolas Bideau fest und fügte bei: «Im Dokumentarischen gibt es Autoren, aber auch Vertreter des Banalen… Würde ein Ausschuss Dokumentarfilm geschaffen, wäre es ein Leichtes, Autorenprojekte auszuwählen, denn dem Dokumentarfilm geht es gut, und er muss stark bleiben. Dennoch sollte man ihn nicht auf die genau gleiche Stufe setzen wie den Spielfilm, dessen Einfluss auf die kinematographische Identitätsfindung eines Landes doch noch ausgeprägter ist». Diese öffentlichen Aussagen in Locarno waren Anlass zu zahlreichen Interpretationen und Munkeleien hinsichtlich eines «in Ungnade gefallenen Dokumentarfilms». Es schickt sich also, die grossen Linien abzustecken.