Das Leben ist kurz
Milena Pellegrini und Jenna Hasse von Pro Short. © Sarah Imsand

Das Leben ist kurz

Die Fragen stellte Alexandre Ducommun 31. Oktober 2025

Der Kurzfilmverband Pro Short setzt sich innerhalb der Schweizer Filmpolitik für den Kurzfilm ein und fungiert als Sprachrohr für die Schweizer Kurzfilmschaffenden. Wir haben mit der Präsidentin des Verbands, Jenna Hasse (JH), und der Geschäftsführerin Milena Pellegrini (MP) gesprochen.

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Können Sie uns die Mission von Pro Short und Ihre Tätigkeiten vorstellen?

MP: Pro Short verfolgt drei Hauptziele: die Vernetzung der Akteure und Akteurinnen der Kurzfilmszene auf nationaler und internationaler Ebene; die Förderung der Sichtbarkeit und der Anerkennung des Schweizer Kurzfilmschaffens im In- und Ausland; und schliesslich die Schaffung besserer Produktions- und Auswertungsbedingungen für Kurzfilme in der Schweiz – dafür engagieren wir uns am stärksten.

JH: Um die Vernetzung zu fördern, organisieren wir Treffen im Rahmen von Festivals. Im Bereich der Lobbyarbeit führte Pro Short eine Studie durch, die 2021 veröffentlicht wurde und die Produktionsbedingungen für Kurzfilme in der Schweiz beleuchtet. Der Verband publizierte zudem auf seiner Internetseite ein Glossar, um häufige Fragen der Filmschaffenden zur Finanzierung oder zum Vertrieb zu beantworten – eine Art Bedienungsanleitung für Akteure und Akteurinnen der Kurzfilmszene.

MP: Das Glossar zeigt auch gewisse Erfolge auf, die Pro Short durch seine Lobbyarbeit erzielt hat, wie die Erhöhung der Gutschriften für Succès-Festivalpunkte von 10 auf 15 Prozent. Unser Ziel ist: 30 Prozent zu erreichen. Solche politischen Überlegungen haben reale Auswirkungen auf die Produktionsbedingungen. Nebst der Verbesserung der Produktionsbedingungen setzen wir uns auch für eine vereinfachte Eingabe bei den Förderinstitutionen ein. Heutzutage gelten für Kurz- und Langfilme ähnliche Verfahren, wodurch ein Ungleichgewicht entsteht: Der Arbeits- und Zeitaufwand ist für Kurzfilme gemessen an den Finanzierungsmöglichkeiten unverhältnismässig hoch.

JH: Pro Short engagiert sich auch dafür, die wichtige Rolle des Kurzfilms für die Diversität zu betonen. Ihn zu unterstützen bedeutet, neue Formen, junge Talente und vielfältige Darstellungen zu fördern. Er ist ein unentbehrliches Versuchslabor, um neue Erzählformen zu entwickeln und zu testen. Der Schweizer Film verdankt seine Stellung dem Kurzfilm und seiner grossen Strahlkraft über die Landesgrenzen hinaus. Obwohl Kurzfilme nicht der klassischen Verwertungskette folgen, werden sie gesehen: an Festivals, in speziellen Programmen oder auf Plattformen. Sie machen das Schweizer Filmschaffen sichtbar und knüpfen dauerhafte Beziehungen im internationalen Austausch.

Wo sehen Sie zukünftig die grössten Herausforderungen?

MP: Unsere Prioritäten bleiben unverändert: Sichtbarkeit, Förderung und Produktionsbedingungen. Wir planen, uns näher mit den durchschnittlichen Löhnen und Budgets von Kurzfilmen in der Schweiz zu befassen. Es ist wichtig, aufzuzeigen, unter welchen oft prekären finanziellen Bedingungen Kurzfilme entstehen. Auf politischer Ebene stehen derzeit die neuen Filmförderkonzepte 2026-2028 des Bundesamts für Kultur im Zentrum. Wir haben an der Vernehmlassung teilgenommen, Stellung bezogen und uns für den Kurzfilm, der gegenüber anderen Formaten vernachlässigt wird, stark gemacht.

JH: Trotz der aktuellen Bedingungen – viele Verlustproduktionen, unterbezahlte Fachkräfte – bleibt das Interesse am Kurzfilm ungebrochen. Jahr für Jahr werden Schweizer Kurzfilme an grossen internationalen Festivals gezeigt. Neue Talente starten ihre Karriere im Kurzfilm, und auch gestandene Filmschaffende kehren zu ihm zurück. Deshalb müssen wir ihn kontinuierlich unterstützen und fördern.

Eine längere Version dieses Gesprächs erscheint im CINEMA Jahrbuch 2026.

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