Ob Film oder Theater: Basis ist das Schreiben
PRISMI, Schreib-Workshop. ©️ LAC - Lugano Arte e Cultura

Ob Film oder Theater: Basis ist das Schreiben

Chiara Fanetti 3. April 2026

Das italienischsprachige Filmschaffen wird in der Schweiz durch einen von der Ticino Film Commission ins Leben gerufenen Förderfonds und zwei Atelierstipendien für Drehbuch in der Casa Pantrovà in Carona unterstützt, während begleitende Programme bisher fehlen. Ein interessantes Beispiel für ein solches Programm existiert im Bereich des Theaters: das 2021 lancierte Projekt Luminanza. Wir haben uns mit dem Verantwortlichen Alan Alpenfelt darüber unterhalten.

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Auf welches Bedürfnis der italienischsprachigen Theaterlandschaft will Luminanza reagieren?

Ziel ist, dass die italienische Sprache Eingang in das Schweizer Bühnenschaffen findet und neue Stimmen entdeckt werden. Wir wollen zur Entstehung einer neuen Generation von Dramatikerinnen und Dramatikern beitragen: Am Anfang steht eine Berufung, wir begleiten die Personen und helfen ihnen, ihr Potenzial zu entfalten, stellen Kontakte zu den anderen Landesteilen her und treten in Dialog mit anderen Kulturen und Ausdrucksweisen.

Einzigartig ist unter anderem die Struktur von Luminanza. Wie funktioniert das Projekt konkret?

Das Projekt trägt den Namen Luminanza – deutsch »Leuchtdichte«, das Mass für die Helligkeit einer leuchtenden Oberfläche –, weil uns interessierte, wer alles da ist, und wir die Szene der italienischsprachigen Schweiz «vermessen» wollten. In den ersten drei Jahren gab es eine offene Ausschreibung, und wir wählten jeweils fünf bis sieben Teilnehmerinnen und Teilnehmer zwischen 20 und 35 Jahren aus, für die wir Treffen und Arbeitswochenenden mit etablierten Dramaturgen aus Italien, der Romandie und der Deutschschweiz organisierten. Sie hatten die Gelegenheit, sich mit unterschiedlichen Themen und Schreibformen auseinanderzusetzen und Vorführungen in der ganzen Schweiz und in Mailand zu besuchen. Alle arbeiteten im Laufe des Jahres an einem unveröffentlichten Theatertext, den sie am Ende vor Publikum und Theaterleitenden in Form einer szenischen Lesung vorstellten. Nach den ersten drei Luminanza-Ausgaben, an denen insgesamt siebzehn Personen teilnahmen, wurde uns bewusst, dass es sinnvoll war, in jene Leute zu investieren, die danach weiterschrieben. Daraus entstand das Spin-off Prismi, das die Schreibenden bei ihrer Professionalisierung unterstützen soll.

Haben sich, wenn Sie an die Profile und Texte denken, die seit 2021 bei Luminanza vertreten waren, typische Besonderheiten der italienischsprachigen Szene herauskristallisiert?

Oft wiederkehrende Themen sind Herkunft und Migrationshintergrund, die Suche nach einer Identität und der Versuch, in einem bestimmten Gebiet seinen Platz zu finden. Daraus ergeben sich auch Fragen im Zusammenhang mit Rassismus oder kulturellen Spannungen. Eine weitere stark ausgeprägte Schiene sind Liebesbeziehungen und die Familie. Viele Texte führen in ein Zuhause, in dem vordergründig alles gut funktioniert, aber dann tauchen unter der Oberfläche tiefe Konflikte auf. Ungesagtes spielt eine wichtige Rolle: Spannungen, die unter dem Radar bleiben, bis es knallt.

Sollten Filmschaffende erst einmal Erfahrungen im Theaterbereich sammeln?

Wer im Filmbereich arbeitet, sollte sich mit dem Theaterschaffen auseinandersetzen: Es ist eine wichtige Schule, weil man gezwungen ist, sich dem Schreiben, den Schauspielerinnen und Schauspielern und dem anwesenden Publikum direkt zu stellen. Man hört oft, Film und Theater seien zwei unterschiedliche Welten, aber in Wirklichkeit haben sie viel gemeinsam. Am besten funktionieren Filme dann, wenn sie einen guten Text, passende Darstellerinnen und Darsteller und eine starke Regie haben: Die Grundlage bleibt die Dramaturgie.

Schafft Luminanza neue Gelegenheiten für italienischsprachige Schreibende?

Es bewegt sich etwas. Bereits heute werden ehemalige Teilnehmerinnen und Teilnehmer eingeladen, in unterschiedlichen Kontexten eigene Texte vorzustellen, etwa am PLAY Festival in Zürich oder an den Solothurner Literaturtagen. Einige Werke wurden auch ausserhalb der italienischsprachigen Schweiz gezeigt, es gab Produktionen auf der Alpennordseite und in London. Uns ist wichtig, weiterhin aufmerksam zu verfolgen, was läuft, und uns entsprechend den Bedürfnissen der Region immer wieder neu zu erfinden. Aus diesem Grund haben wir 2025 die Veranstaltungsreihe Vetrina ins Leben gerufen, damit verfügt nun auch das Tessin über einen Ort für neue Dramaturgie. Vorgestellt wurden zwei im Rahmen von Prismi entstandene Werke und zwei auf Italienisch übersetzte Texte aus den anderen Landesteilen.

Versione originale italiana

Cinema e teatro, una questione di scrittura

La lingua italiana nell’audiovisivo in Svizzera è sostenuta da un fondo di promozione, istituito dalla Ticino Film Commission, e da due residenze di scrittura dedicate, presso Casa Pantrovà a Carona, ma non gode ancora di percorsi specifici di accompagnamento. Un esempio interessante si trova nel teatro, con un progetto avviato nel 2021. Ne abbiamo parlato con il responsabile, Alan Alpenfelt.

A quale esigenza del panorama teatrale in lingua italiana vuole rispondere Luminanza?

L’obiettivo è portare la lingua italiana nella scrittura teatrale della scena svizzera e individuare nuove voci. L’idea è contribuire alla nascita di una nuova generazione di drammaturghi: partire da una vocazione, accompagnare le persone nello sviluppo della scrittura e aiutarle a far emergere il proprio potenziale, mettendole in contatto con il resto del Paese e aprendo un dialogo con altre culture e linguaggi.

Uno degli aspetti unici di Luminanza è la sua struttura. Come funziona concretamente?

Il progetto si chiama Luminanza - l’unità di misura della luminosità di una superficie - perché volevamo capire chi c’era, “misurare” la scena della Svizzera italiana. Attraverso un’open call, per tre anni abbiamo selezionato da cinque a sette partecipanti tra i 20 e i 35 anni, coinvolgendoli in incontri e weekend di lavoro con drammaturghi affermati dall’Italia e dalla Svizzera francese e tedesca. Hanno potuto confrontarsi con temi e forme di scrittura diverse e assistere a spettacoli in tutta la Svizzera e a Milano. Durante l’anno ciascuno ha lavorato a un testo teatrale inedito, poi presentato al pubblico e ai direttori di teatro in forma di lettura scenica. Dopo i primi tre anni di Luminanza e diciassette partecipanti, ci siamo resi conto che aveva senso investire su chi aveva continuato a scrivere. Da qui nasce Prismi, uno spin-off pensato per sostenere questi autori in un percorso di professionalizzazione.

Pensando ai profili e ai testi che sono passati da Luminanza dal 2021, è emersa qualche caratteristica della scena italofona?

Un tema ricorrente riguarda la provenienza e i background migratori, la ricerca di un’identità e il tentativo di trovare il proprio posto in un territorio. Da qui emergono anche questioni legate al razzismo o alle tensioni culturali. Un’altra linea molto forte riguarda le relazioni intime e familiari. Molte drammaturgie entrano nelle case, dove tutto sembra funzionare, ma sotto la superficie affiorano conflitti profondi. C’è una forte attenzione a ciò che non viene detto: tensioni che restano sottotraccia e poi esplodono.

Il cinema dovrebbe farsi le ossa a teatro?

Chi fa cinema dovrebbe confrontarsi con il teatro: è una scuola importante perché costringe a misurarsi direttamente con la scrittura, gli attori e la presenza viva del pubblico. Spesso si dice che cinema e teatro siano mondi diversi, ma in realtà condividono molto. I film che funzionano meglio sono quelli con un buon testo, bravi attori e una regia forte: alla base resta la drammaturgia.

Luminanza sta creando nuove opportunità per gli autori di lingua italiana?

Qualcosa si sta muovendo. Già ora chi ha seguito il nostro percorso viene invitato a presentare i propri testi in diversi contesti, come il PLAY Festival a Zurigo o le Giornate letterarie di Soletta. Alcuni lavori hanno trovato spazio anche fuori dalla Svizzera italiana, con produzioni oltre Gottardo e a Londra. Per noi è importante restare in ascolto di ciò che accade e reinventarci in base ai bisogni del territorio. Per questo nel 2025 abbiamo creato Vetrina, una rassegna pensata per dare anche al Ticino un luogo dedicato alla nuova drammaturgia, dove sono stati presentati due lavori nati all’interno di Prismi e due testi della Svizzera d’oltralpe, tradotti in italiano.

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