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Augenmerk auf der Postproduktion im «Pôle» in Genf

Alexandre Ducommun
07. Juli 2024

Denis Séchaud im Tonmischstudio Dolby Atmos Cinema. © Masé Studios

Der Pôle vereint mehrere Unternehmen, die auf verschiedene technische Bereiche spezialisiert sind, und bietet ein innovatives Postproduktionsmodell für audiovisuelle Produktionen. Interview mit Denis Séchaud, Toningenieur und Gründer von Masé Studios, einem Mitglied des Pôle.

Können Sie diesen neuen «Pôle» vorstellen, der vier Unternehmen, die in den verschiedenen Bereichen der Postproduktion tätig sind, unter einem Dach vereint?

Der Pôle ist in erster Linie ein Zusammenschluss mehrerer Akteure der audiovisuellen Szene. Diese vier Unternehmen sind Dorier, Le Truc, Color Grade und Masé. Zusammen decken wir vier alle wichtigen Etappen der Postproduktion ab, vom Schnitt über die Geräuschkulisse bis hin zur Erstellung von Spezialeffekten und der Kalibrierung. Es ist eine in der Schweiz einzigartige Initiative, alle Vorgänge, die zwischen dem Ende der Dreharbeiten und der Lieferung des DCP an das Kino oder das Fernsehen stattfinden, an einem Ort zu vereinen. Die Produktionen haben so die Möglichkeit, je nach Bedarf einen Teil oder die gesamte Postproduktion im Pôle durchzuführen.

 

Ist die Idee, alle Schritte der Postproduktion unter einem Dach zu vereinen, aus einem Bedürfnis der Filmschaffenden heraus entstanden?

Ich würde sagen, dass es verschiedene Ansätze gibt. Natürlich bevorzugen manche einen eher handwerklichen Weg und arbeiten mit kleinen Strukturen. Andererseits hatte ich die Gelegenheit, an mehreren Koproduktionen in ganz Europa teilzunehmen, und ich habe diese grösseren Zentren entdeckt, in denen es zahlreiche Studios, grössere Mittel und vor allem eine gute Mischung gibt. Dieser Austausch ist für die Industrie wertvoll; es kommt vor, dass sich Regisseure und Regisseurinnen in diesen Strukturen treffen und über ihre Projekte diskutieren. Diese Kontakte finden natürlich auf Festivals statt, aber ich freue mich zu sehen, wie sich diese normalerweise sehr abgeschotteten Berufe der Postproduktion für neue Modelle öffnen. Der Wunsch, den Pôle zu gründen, entstand nicht nur aus einem Bedürfnis heraus, sondern vor allem aus der Erkenntnis, dass es in der Schweiz keine derartige Struktur gibt.

 

Was sind die konkreten Vorteile dieses Zusammenschlusses?

In der Postproduktion gibt es viele Fristen, sei es für das Hochladen des fertigen Projekts auf eine Plattform oder für die Teilnahme an einem Festival. Aus der Sicht des Kunden bedeutet es eine erhebliche Zeitersparnis und erleichtert die Erstellung eines Zeitplans, wenn alle Schritte dieses Prozesses in einem einzigen Gebäude stattfinden. Die Tatsache, dass wir einen gemeinsamen Server haben, vermeidet auch das Versenden grosser Dateien oder das Hin- und Herschicken zwischen den verschiedenen Abteilungen und es ermöglicht dem Kunden, beispielsweise letzte Anpassungen der Kalibrierung zum Zeitpunkt der Tonmischung zu verlangen. Aus administrativer Sicht vereinfacht der Pôle auch den Kontakt mit den Kunden und Kundinnen und vereinfacht es, Paketangebot zu konkurrenzfähigen Preise anzubieten.

 

Wie kann man gegenüber dem benachbarten Frankreich oder generell international wettbewerbsfähige Leistungen anbieten?

Eine Niederlassung in der Nähe von Genf ist natürlich nicht mit einem Vorort von Brüssel zu vergleichen; die Flächen sind hier viel teurer. Die Sozialabgaben sind jedoch niedriger als in anderen Ländern wie Frankreich, sodass man trotz des starken Schweizer Frankens wettbewerbsfähig bleiben kann. Natürlich setzt man auch auf Koproduktionen, die je nach Abkommen eine Reinvestition des Geldes in der Schweiz sicherstellt. In diesem Sinne ist es für mich wichtig, eine Industrie auf internationaler Ebene anzubieten. Für die Existenz des Schweizer Films braucht es Regisseure und Regisseurinnen, Produzenten und Produzentinnen, aber auch eine starke audiovisuelle Industrie. Ohne Infrastruktur und Techniker und Technikerinnen ist es schwierig, ausländische Länder dafür zu interessieren, mit der Schweiz zu koproduzieren, zumindest was die Postproduktion betrifft. Ich bedaure, dass dieser Aspekt nicht immer zu den Prioritäten der Branche gezählt wird, insbesondere was die wirtschaftlichen Instrumente betrifft. Zwar sind einige Schritte auf dem Weg, aber es fehlt noch ein Anreizfonds, der der Postproduktion gewidmet ist, um sich wirklich im internationalen Wettbewerb zu positionieren.

 

Masé und Color Grade arbeiten bereits seit mehreren Jahren im selben Stockwerk des Gebäudes, in dem auch Doriers Studios untergebracht sind. Was ändert sich mit der offiziellen Gründung des Zentrums?

Das Pôle ist der Wille, gemeinsam unter einem Banner aufzutreten. Die vier Unternehmen, aus denen er sich zusammensetzt, bleiben unabhängig, aber der Zusammenschluss ist ein gutes Mittel, um unsere Kunden wissen zu lassen, dass diese anderen Dienstleistungen existieren und ihnen zur Verfügung stehen. Ausserdem ist der Beitritt des Unternehmens Le Truc eine Neuheit. Als wir vor sechs Jahren in das Gebäude einzogen, war es bereits geplant, Le Truc aufzunehmen, aber der Mangel an Fläche verhinderte dies damals. Heute ist es möglich! Ihre Erfahrung in den Bereichen «Motion Design» (Animation) und Spezialeffekte ergänzt das Angebot des Pôle.

 

Das Zentrum umfasst Unternehmen, die im Bereich Film und Fernsehen tätig sind, sowie andere, die im Bereich Auftragsfilme arbeiten. Was bringt sie zusammen?

Wir sind Unternehmen mit einer recht breiten Palette. Es stimmt, dass Masé zum Beispiel weniger in der Werbung oder im Bereich der Produktgestaltung tätig ist als Dorier oder Le Truc, aber das Kino vereint uns alle. Wir können auf dieser Grundlage zusammenarbeiten, da das Kino alle unsere Kompetenzen in ein Projekt einbinden kann. Ausserdem ist es dank des Austauschs durchaus möglich, dass sich jede unserer vier Firmen in Zukunft diversifiziert.

Die Ressourcen, die im Pôle zur Verfügung stehen.

Ton:
4 5.1-Studios, 2 Dolby Home Atmos-Studios, 1 Dolby Atmos-Kino-Studio, 1 Geräuschstudio.

Bild:
2 Kalibrierungsräume für Kinonormprojektion (2k/4k), 1 Kalibrierungsstudio für 4k-HDR-Monitor.

Spezialeffekte:
30 3D- und Compositing-Workstations mit integrierter Renderfarm mit 6000 TeraFLOPS, 1 modulares Greenscreen- und XR-Studio.

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