MENU Schliessen

Erinnerung an Ulrike Koch

Christoph Egger, Gerard Huisman, Markus Imhoof, Carlo Lepori, Jean Perret, Kathrin Renz, Rose-Marie Schneider
11. Juni 2024

© Frederik Kunkel

Der Tod der Schweizer Dokumentarfilmemacherin Ulrike Koch hat viele Filmschaffende und Wegbegleiter und Wegbegleiterinnen getroffen. Viele von ihnen würdigen sie mit einem Beitrag. Wir haben sie hier zusammengestellt.

«Ulrike is my best Friend; she has the kindest soul and who helped me to grow. She has chosen her life in the most courageously challenging way to reach the mankind perhaps so deeply to let people know.»

Gang Zhao, Chinese artist

*

Carlo Lepori sagt: «'Die Salzmänner von Tibet', natürlich: So hat es angefangen. Der Film war ein verbreiteter Geheimtipp in gewissen Kreisen im Tessin. Ich wusste wenig von Tibet und seiner Kultur; der Film hatte mich sehr berührt. Geblieben sind mir die unbegrenzten Landschaften und die ruhige Art der Nomaden, zu den fernen Salzseen der Hochebene zu reisen.» Hier geht es zu seinem Gesamtbeitrag. 

Christoph Egger erinnert sich: «Bevor ich das Vergnügen hatte, Ulrikes Filme in der NZZ zu besprechen, allen voran ihren meisterlichen «Die Salzmänner von Tibet», war sie uns als Kennerin und Rezensentin des chinesischen Films willkommen gewesen. Beeindruckend insbesondere ihr «Antrittsschreiben»: das in der NZZ vom 20. November 1987 erschienene grosse Interview mit dem damaligen Stellvertretenden Kulturminister Chinas, Ruo-Cheng Ying, der auch ein bedeutender Schauspieler und Übersetzer aus dem Englischen war. Ying hatte in Bertoluccis «The Last Emperor» den Gefängnisdirektor verkörpert, der die «Umerziehung» des letzten Kaisers, Pu Yis, zu beaufsichtigen hat und dann während der Kulturrevolution von den Roten Garden angegriffen wird. Ulrike, die für das Casting der chinesischen Schauspieler zuständig gewesen war, spricht ihn während der Dreharbeiten in Cinecittà auf seine Erinnerungen an die Verheerungen der Kulturrevolution an. Und er erzählt ihr, wie furchterregend das Ganze nun wieder auf ihn gewirkt habe: nicht die Erniedrigungen, wie auch er sie zu erleiden hatte, sondern die hassverzerrten Gesichter der jungen Darsteller, die diese indoktrinierten Jugendlichen spielten, die von nichts eine Ahnung hatten. Das Entsetzliche der Kulturrevolution, sagt Ying in diesem Gespräch, bestehe für ihn vor allem in der Tatsache, dass eine ganze Generation junger Menschen geistig ruiniert worden sei.» Der Text in der Gesamtlänge ist hier erhältlich. 

*

Filmstill aus «Die Salzmänner von Tibet» © Catpics AG

 

«I will miss her», schreibt Gerard Huisman. Und noch mehr

*

Die Produzentin Rose-Marie Schneider sagt über die Zusammenarbeit mit Koch: «Diese einzigartige Arbeitsreise war für mich voller unvergesslicher Erfahrungen. Die atemberaubende Landschaft, Sprach- und Kulturbarrieren auf der einen, Ulrikes tiefes Suchen nach dem authentischen Tibet auf der andern Seite sowie ein erwartungsvoller Produzent in der Schweiz, forderten grosse Toleranz und Geduld.» Ihr Text ist hier einsehbar.

*

Der Regisseur Markus Imhoof teilt in seinem Text einen Teil seiner Korrespondenz mit Ulrike Koch:

«2.1.2009
Lieber Markus,
Es freut mich, von Dir zu hören nach mindestens 100 Jahren!
Das Bienenthema finde ich sehr schön und will Dir gerne beistehen.

China scheint mir ein wichtiges topic in Deinem Film zu sein, weil sie dort trotz allem Schlimmen auch sehr viel Erfahrung haben und auch experimentell mit manchem umgehen. Und richtig recherchieren kann man am besten vor Ort.
Ulrike».

So ging es weiter.

*

Kathrin Renz, Produzentin bei Tellfilm, schliesst ihren Beitrag wie folgt ab:

«Ulrikes Tod traf mich plötzlich, in der hektischen Produktion von zwei Spielfilmen, und brachte mich auf den Boden zurück – des Wesentlichen, des Wichtigen. Ich habe viel von Ulrike gelernt und bin unendlich dankbar, dass ich sie kennenlernen durfte und dass wir eine kleine gemeinsame Reise gemacht haben. Eine so zarte feine Person voller Klarheit, Kraft und Energie. Du fehlst mir, liebe Ulrike, und wirst mir ein grosses Vorbild bleiben.»

Jean Perret schreibt in seiner Hommage: «Elle s’employait à construire des temporalités cinématographiques propres à rendre dans leur authenticité les modes de vie et de pensée de ses protagonistes. Pour maîtriser cette saisie du réel en de spectaculaires récits, elle a su faire étroite équipe avec un directeur de la photographie, un filmeur exceptionnel de la nature comme des visages humains, un sculpteur de lumière béni de tous les ciels du monde : Pio Corradi. C’est dans chacune de ses images que devait battre le coeur du film.»

«Du Weltenöffnerin!
Ziehe weiter - Du Nomadin.
Komm wieder, und erzähle uns von der Ferne.»

Frederik Kunkel über Ulrike Koch, sein ganzer Text

 

Interessieren Sie sich für den Schweizer Film?

Abonnieren Sie!

Tarife