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Die junge Generation für die junge Generation

Teresa Vena
14. Juni 2024

Die Darstellerinnen aus der Serie «Hübsches Gesicht» © SRF/Moovie/RTL+

Deutsche Privatsender setzen auf ein innovatives Format, um an neue Inhalte zu kommen und ihre Reichweite spezifisch bei einem jungen Publikum zu vergrössern. Das Förderprogramm Storytellers richtet sich direkt an Studierende deutscher Filmhochschulen, die damit die Gelegenheit bekommen, eigene Serienstoffe umzusetzen.

Neben der Präsentation aktueller internationaler Serien stand ein reichhaltiges Konferenz- und Podiumsdiskussionenprogramm im Mittelpunkt des Seriencamps, das vom 5. bis 8. Juni in Köln stattfand. Zunächst in München etabliert, findet das Festival seit zwei Jahren in Köln statt und feierte in diesem Jahr sein zehnjähriges Jubiläum. Eine Rekordzahl von 800 akkreditierten Fachleuten aus der internationalen Serienbranche, wie Produzenten und Produzentinnen, Vertreter und Vertreterinnen von Onlineplattformen sowie Fernsehsendern und schliesslich Filmschaffende, besuchten die diesjährige Ausgabe.

Die Förderung des Dialogs zwischen erfahreneren und jüngeren Fachleuten war eines der Hauptziele der Veranstaltung. Mehrere Podiumsdiskussionen hatten daher ausdrücklich einen Fokus auf die Förderung von Nachwuchstalenten. 2021 startete der deutsche Privatsender RTL mit dem seinem Storytellers-Programm eine Initiative, die sich genau dem verschreibt. Im Rahmen eines Podiumsgesprächs mit dem Titel «Talentförderung, Kreativitätsförderung und Startrampe für Young Professionals» konnte das Publikum mehr darüber erfahren. Anwesend waren zum einen Hauke Bartel, Leiter des Bereichs Fiction bei RTL Deutschland, und zum anderen Aylin Kockler, die als Autorin und Komikerin erfolgreich am Programm teilgenommen hat.

RTL hat Storytellers vor vier Jahren ins Leben gerufen, inzwischen sind mit RTL+ und Vox zwei weitere Sender eingestiegen. Bartel fungiert als Koordinator des Projekts. Er erklärt, dass der Zusammenschluss verschiedener Sender alle bestehenden Einzelprogramme zu einem einzigen vereinen sollte. Dies hat ganz konkret den Vorteil, mit einem grösseren Produktionsbudget für die ausgewählten Projekte arbeiten zu können. Bisher betrug das Budget 750'000 Euro. Seit diesem Jahr ist es dank der Unterstützung durch die Filmstiftung NRW (Nordrhein-Westfalen) auf 1,5 Millionen Euro gestiegen. «Wir sind jetzt das bestfinanzierte Nachwuchsprogramm in Deutschland», so Bartel.

Storytellers kooperiert mit sieben deutschen Filmhochschulen. Die Studierenden reichen Ideen für Serien ein, die sich spezifisch an ein «junges Publikum» richten. Für 2024 sind bereits die ersten Ideen mit insgesamt 75 Bewerbungen eingegangen. In den nächsten Monaten wird das Team von Storytellers die interessantesten auswählen. Als Zwischenstation bekommen einige Studierende während des sogenannten «Boxstopps» die Gelegenheit, sich mit Redaktoren und Redaktorinnen der Sender über technische und produktionstechnische Fragen zu unterhalten, die die Herstellung einer Serie betreffen.

Später werden dann etwa zehn Studierende (in Zweiergruppen organisiert) zu einer «Klassenfahrt» eingeladen, zu einem zweitägigen Aufenthalt, der als Denkfabrik und zum gegenseitigen Austausch genutzt werden soll. Während dieses gemeinsamen Wochenendes entwickeln die Finalisten des Programms ein Produktionskonzept, für das sie jeweils 5'000 Euro erhalten. Die Sender räumen sich auf diese Konzepte einen «First Look»-Vertrag ein. Das bedeutet, dass sie eine bestimmte Zeitspanne zur Verfügung haben, in der sie entscheiden können, ob sie das Projekt realisieren wollen oder nicht. Danach könnten die Studierenden mit ihrer Idee an andere Sender oder potenzielle Partner herantreten.

Zum Abschluss des Aufenthalts präsentiert jeder der fünf Gruppen ihr Konzept den anderen Teilnehmenden und weiteren geladenen Gästen. Die Anwesenden fungieren gemeinsam als Jury und stimmen über ihr Lieblingsprojekt ab. Dieses wird dann in Produktion gehen. Da sehr darauf geachtet wird, dass die Projekte von jungen Menschen für junge Menschen entwickelt werden, sei es wichtig, dass ebenfalls junge Menschen selbst über ihre Lieblingsprojekte entscheiden. «Deshalb ist keiner der Beteiligten über 40 Jahre alt», betonte Bartel.

Aylin Kockler, Autorin von «Hübsches Gesicht» © RTL / Ferdos Sililo-Simon

Eine dieser Personen ist Aylin Kockler. Sie studierte in New York, wo sie als «Stand-up»-Komikerin auftrat, bevor sie nach Deutschland zurückkehrte, um ihr Studium an der HFF in München fortzusetzen. Sie bewarb sich mit einem Serienprojekt bei Storytellers und gewann. Bei dem zweitägigen Aufenthalt lernte sie ihre zukünftige Produzentin kennen, und 15 Monate später feierte die Serie auf dem Filmfestival Cologne Premiere. «Hübsches Gesicht» wurde im deutschsprachigen Fernsehen ausgestrahlt, zunächst auf den Partnersendern und Initiatoren des Förderprogramms. Die Serie verbuchte grossen Erfolg. Sie wurde für den Grimme-Preis, den Deutschen Fernsehpreis, nominiert, und ihre Schöpferin Kockler hat über die sozialen Medien erheblichen Einfluss gewonnen - aber nicht nur das. Das US-Wirtschaftsmagazin Forbes nannte sie 2022 eine von «30 under 30»-Talenten in der Kategorie «Entertainment». Kockler arbeitet jetzt an neuen Projekten. Über ihre Zeit bei Storytellers sagt sie: «Es war eine tolle Erfahrung für mich. Die Arbeit fand auf Augenhöhe statt. Ich konnte über Themen sprechen, die mir wichtig sind, wie ich es für richtig hielt. Es ist toll, dass diese persönliche Serie so viele Menschen berührt hat.»

 

«Hübsches Gesicht», 6 Folgen à 14-17 Minuten, ist auch auf Play SRF abrufbar

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