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Immersive Erzählungen erschaffen

Adrien Kuenzy
20. Mai 2024

Von links nach rechts: Simon de Diesbach, Anaïs Emery, Antoine Cayrol, Salar Shahna und Laetitia Bochud.© SWISS FILMS, Frédérick Duchesne

Eine Partnerschaft zwischen dem Marché du Film de Cannes, Cinéforom und dem Geneva International Film Festival (GIFF) führte zu einem Podiumsgespräch, das die Möglichkeiten erkundete, die Technologien bieten, um die Zukunft des Geschichtenerzählens neu zu definieren.

Im Rahmen des Filmmarkts der Filmfestspiele von Cannes fand eine Podiumsdiskussion mit dem Titel «The Future of Storytelling - Crafting Immersive Narratives» statt. Diese Initiative, die im Rahmen der besonderen Einladung an die Schweiz als Gastland stattfand, brachte Experten und Expertinnen des immersiven Films zusammen, um die neuen Horizonte des Erzählens zu erkunden, die durch immersive und XR-Technologien zugänglich gemacht werden.

 

Die neu erfundene Natur

Simon de Diesbach, Regisseur und Mitbegründer des Lausanner Studios Fragmentin, eröffnete die Diskussion mit seinen Arbeiten, die die Grenzen zwischen Natur und Technologie hinterfragen. Der Künstler, der an der ECAL Media & Interactive Design und an der HSLU D&K Film studiert hat, stellte Projekte wie «Beyond Matter» und «LimitsVR» vor, in denen er die Interaktionen zwischen dem Lebendigen und dem Digitalen erforscht und die Natur in den Mittelpunkt der Erfahrung stellt. Ihr Ansatz bezieht den Betrachter oder die Betrachterin als aktiven Teilnehmer ein. Mit «LimitsVR» hat de Diesbach eine immersive Ausstellung konzipiert, die Fragmente eines Waldes zeigt. Dabei interagieren zwei Ökosysteme miteinander: das der Natur mit ihrer Flora und Fauna und das eines Museums mit seinen Besucher und Besucherinnen, Protokollen, Regeln und Mitarbeitenden. «Das Eintauchen in den Wald mithilfe eines «Virtual-Reality»-Helms, das in einer Galerie angeboten wird, karikiert unsere Beziehung zur Natur», erklärt der Filmemacher. Ursprünglich als «Mixed-Reality»-Erfahrung gedacht, entschied sich das Team schliesslich für einen zugänglicheren Weg.

 

Vielfalt und Innovation

Anaïs Emery, Geschäftsführerin und künstlerische Leiterin des Geneva International Festival (GIFF), teilte ihr Fachwissen über die Leitung von Festivals, die Technologie und Kreativität miteinander verbinden. Als ehemalige künstlerische Leiterin des Neuchâtel International Fantastic Film Festival (NIFFF) hob sie den Beitrag der Festivals zur Förderung virtueller und immersiver Werke hervor. «Unser Festival stellt eine Konstellation von Ereignissen dar, die Film, Markt und Festlichkeiten vermischt», erklärte sie. «Wir haben auch gerade das zehnjährige Bestehen des Geneva Digital Market gefeiert. Was unsere «Virtual Territories» betrifft, so stellen wir auch die Schweizer Produktion in den Vordergrund». Emery sprach auch über die Bedeutung der Erhaltung von immersiven Werken: «Das ist eine politische Frage, die Lobbyarbeit erfordert. Was bewahren wir auf? Warum? Wie?» Schliesslich erläuterte sie die Herausforderungen, die mit dem Fortbestand dieser neuen Kunstformen und ihrer Aufnahme in Kulturarchive verbunden sind.

 

Die Erzählung im Zentrum der virtuellen Realität

Die Herausforderungen und Chancen bei der Produktion und dem Vertrieb von «Virtual-Reality»-Inhalten (VR) wurden von dem Franzosen Antoine Cayrol, Mitbegründer von Atlas V, beleuchtet. Mit einem reichen Erfahrungsschatz bei der Schaffung immersiver Werke betonte er, wie wichtig es sei, ein globales Publikum anzusprechen, um die Nachhaltigkeit von VR-Projekten zu gewährleisten. «Es ist notwendig, sich die Frage nach dem Publikum zu stellen. Ein grosser VR-Raum mit nur fünf Zuschauern ist von vornherein nicht rentabel», betonte er. Cayrol hob auch die Bedeutung internationaler Koproduktionen in diesem Bereich hervor: «VR ist ein Nischenmarkt, daher müssen wir ein weltweites Publikum anstreben, sonst wäre es Selbstmord.»

 

Im Dienste der Immersion

Salar Shahna, Leiter der Geschäftsentwicklung bei Sensoryx und Pionier im Bereich der immersiven Medien, untersuchte die Auswirkungen neuer Technologien, insbesondere der künstlichen Intelligenz, auf die Schaffung und Produktion immersiver Inhalte. Shahna, Gründer des World XR and VR Forum, hob die technologischen Innovationen von Sensoryx und ihre Anwendung im VR-Bereich hervor. «Die Aufmerksamkeit des Publikums zu bekommen, ist heute nicht einfach. Wir konsumieren Inhalte bruchstückhaft und verlieren dabei zunehmend die Fähigkeit zur Aufmerksamkeit"», stellte er fest. Er erwähnte auch den Einsatz von KI zur Verbesserung kreativer Prozesse: «Bei Sensoryx können wir mithilfe von KI in jeder Entwicklungsphase sehr vielversprechende Skizzen anfertigen.»

Die von Laetitia Bochud, Geschäftsführerin von Virtuel Suisse, moderierte Podiumsdiskussion gab einige Einblicke in die Zukunft des immersiven Erzählens. In Partnerschaft mit Cineforom und dem Geneva International Film Festival (GIFF) beleuchtete die Diskussion die Herausforderungen und Möglichkeiten, die zahlreiche Technologien bieten, und zeichnete auch die Umrisse der Zukunft des Erzählens.

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