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Ein Fenster für den Schweizer Film

Kathrin Halter
16. November 2018

Auf der neuen, dreisprachigen Filmplattform Cinefile öffnet sich Mitte November ein Schweizer Fenster. Eine Vorschau auf das Angebot.

Eine nationale Video-on-Demand-Plattform, die alle wichtigen Schweizer Filme bereithält; ein Ort, wo bislang weit Verstreutes zusammenkommt: Das bleibt Wunschvorstellung und wird es weiterhin bleiben, denn nicht nur liegen immer noch viele Schweizer Filme als Masterbänder oder Negative in Schränken herum. Es fehlt auch eine Übersicht, auf welchen Plattformen welche bereits digitalisierten Filme per Streaming angeboten werden. 

 Das wird sich nun wenigstens partiell ändern, dank der im Sommer lancierten neuen Filmplattform Cinefile. Denn erstens will Cinefile genau dies: Übersicht verschaffen. Und zweitens gibt es dort seit Mitte November ein Schweizer Fenster, das fortlaufend ausgebaut wird und zu einer umfassenden Schweizer ­Filmographie mit Hintergrundmaterial anwachsen soll. 

 Interessantes Bonus-Material 

Cinefile verbindet zwei Dinge, die normalerweise getrennt voneinander dargestellt respektive angeboten werden: «Kino» und ­«Strea­ming». Das Kinoprogramm umfasst die ganze Schweiz, die Streaming-Option bietet eine Auswahl von internationalen Filmen sowohl aus dem Arthouse- wie dem Mainstream-­Bereich an. Zu aktuellen Kinofilmen kommen Dokumentarfilme, die besagten Schweizer Filme sowie (ab Ende November) Klassiker, Kinderfilme, Animationsfilme, Kurzfilme und «Filme über Filme» hinzu – eine Unterteilung, wie man sie auch von anderen Streaming-Diensten kennt.

Interessant ist die Plattform vor allem wegen der schönen und übersichtlichen Gestaltung sowie dem umfangreichen Bonus-Material, das von einer offensichtlich cinephilen Redaktion zusammengetragen wird: Zu jedem Film – sei es im Kinoprogramm oder im Streaming-Angebot – werden neben den üblichen Filmdaten und Inhaltsangaben auch deutsch-, französisch- oder englischsprachige Kurzkritiken angeboten. Hinzu kommen, als eigentliches Bonus-Paket, längere Kritiken und Berichte von der New York Times bis Le Temps, vom Tages-Anzeiger bis zu diversen Film-Websites. Aus dem Internet stammen Hör- und Filmbeiträge, die über die üblichen Promo-Interviews und -Making-ofs hinausgehen: Video-Essays, Porträts oder Gespräche mit Filmschaffenden. Diese werden von der Cinefile-Redaktion teils gleich selber erstellt. Zum Caméra-d’or-Gewinner und ZFF-Siegerfilm «Girl» beispielsweise hat die Cinefile-Redaktorin Karine Weinberger, zuständig für die Westschweizer Version der dreisprachigen Seite, ein Interview mit Regisseur Lukas Dhont geführt. 

 Das Schweizer Fenster 

Solches Hintergrundmaterial wird auch das Schweizer Fenster von Cinefile bereichern. Dieses startet mit etwa fünfzig Filmen und soll schnell aufgestockt werden. Bedingung ist natürlich, dass die Filme schon digitalisiert sind. Die ältesten Filme («Die letzte Chance» oder «Matto regiert») stammen aus den 40er-Jahren, die neusten laufen zum Teil noch im Kino. 

Ab Ende November wird die Filmsammlung zudem um thematische Beiträge ergänzt, die dem Publikum das Schweizer Filmschaffen näher bringen sollen, darunter die Rubrik «Spotlight», in der monatlich wechselnd Filmschaffende oder Produktionsfirmen porträtiert werden. Die dazugehörige Filmografie orientiert auch darüber, auf welchen Streaming-­Portalen die Filme erhältlich sind. Gibt man etwa Marcel Gislers «Mario» ein, so erfährt man, wo der Film gerade im Kino läuft, in welchen Fassungen er gestreamt werden kann und wer ihn auf DVD oder Blu-Ray anbietet. Zu den Schweizer Partnern von Cinefile gehören, nebst allen grösseren Independent-Verleihern, bereits auch Produktiosfirmen wie Präsens-Film oder Dschoint Ventschr. 

Wie aber finanziert sich die aufwändig gemachte Plattform eigentlich? Ein namhafter Startbeitrag kam von «Engagement Migros», dem jungen Fördertool des Kulturprozents, mit dem die Migros innovativen neuen Projekten auf die Beine hilft. Der laufende Betrieb nun generiert bereits erste Streaming-Einnahmen; ab Ende November wird zudem ein Abo angeboten, mit der die Site werbefrei und das Bonus-Material uneingeschränkt verfügbar bleibt sowie das Streaming stark vergünstigt wird. Dennoch braucht das Start-up noch weitere Investitionen, um rentabel zu werden. Immerhin hat Andreas Furler, der Gründer und Betreiber von Cinefile, die Lizenz für das Design, die Software und die Datenbank bereits nach Indien und Südostasien verkauft. 

 Nun ist es kein Geheimnis in der Branche, dass unter der Leitung der Solothurner Filmtage eine «Edition Schweizer Film» (Arbeitstitel) entsteht; ein Beitrag dazu folgt im nächsten Frühjahr. Auch mit Cinefile, soviel sei verraten, ist eine Partnerschaft geplant. 

▶ Originaltext: Deutsch

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