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Editorial

Ein heisser Sommer

 

Filmpolitisch ist das Bundeshaus gerade vielbeschäftigt. Anfang Juni wurde im Ständerat die «Lex Netflix» nach oben korrigiert, von gestutzten 1 Prozent auf die vorgesehenen 4 Prozent. Grosses Aufatmen in der Branche. Nun kommt der Nationalrat wieder zum Zug – hoffen wir auf ein happy ending dieser Langzeit-Serie. 

Weniger beachtet wurde am 9. Juni im Nationalrat auch eine Gesetzesvorlage zum Jugendschutz bei Film und Videogames angenommen; diese geht als nächstes in den Ständerat. Dabei ist vorgesehen, Videospiele, aber auch Filme und Serien nach Alter zu klassifizieren und mit Hinweisen auf Sex- und Gewaltdarstellungen zu versehen. Mit Testkäufen sollen die Kantone prüfen, ob die Regeln eingehalten werden, Onlineangebote soll der Bund selber überwachen. 

Heute ist der Jugendschutz weitgehend Sache der Kantone. Mit dem neuen Gesetz sollen endlich schweizweit einheitliche Regeln gelten. Der Nationalrat weitete die Vorlage sogar noch aus. Er beschloss, Jugendliche vor optionalen Zusatzkäufen in Games – sogenannte Mikrotransaktionen – besser zu schützen. Dabei geht es um In-App-Käufe, mit denen man sich Spielutensilien oder die Verlängerung des Spiels kaufen kann. Auch soll das zuständige Bundesamt gesetzlich dazu verpflichtet werden, Massnahmen zur Förderung der Medienkompetenz und der Prävention zu ergreifen.

Netflix, Prime Video, aber auch Swisscom, Salt, Sunrise und UPC wehren sich gegen die Vorlage. Zum Beispiel dagegen, dass sie Massnahmen treffen müssten, damit Minderjährige keinen Zugang zu Inhalten haben, für die sie zu jung sind. Bereits heute sei es möglich, einen separaten Nutzerbereich für Kinder einzurichten; zu kontrollieren, dass sich der Nachwuchs nur darin bewege, sei Aufgabe der Eltern und nicht der Anbieter, wird Michael In Albon, Beauftragter Jugendmedienschutz bei der Swisscom, in der Sonntagszeitung zitiert. Wer selber Kinder hat, weiss allerdings, dass es ein Ding der Unmöglichkeit ist, diese rund um die Uhr zu kontrollieren – mehr Support von den Anbietern wäre da schon angebracht. Wir werden das Thema in CB wieder aufnehmen. 

 

Über Games und andere digitale Verlockungen haben wir uns auch mit dem zukünftigen Direktor von Swiss Films unterhalten. Nicola Ruffo hat sich beruflich zwar kaum mit Spielen beschäftigt, die die Jugendschützer auf den Plan rufen; der 41-Jährige Schweizer war in San Francisco eher für Audiovisuelles an der Schnittstelle zur Kunst zuständig. Die digitale Welt hingegen kennt er bestens. 

Da Nicola Ruffo sein Amt erst am 1. Juli antritt, konnte und wollte er noch nicht über konkrete Pläne reden, die er mit Swiss Films verfolgt; dazu sei es noch zu früh. Im Gespräch mit Cinébulletin erzählt der Netzwerker dafür von seinen Erfahrungen, die er in den letzten vier Jahren an der Westkünste der USA gemacht hat – und die nun auch der Schweizer Filmszene zugute kommen sollen. Ruffo zeigt sich dabei als offener Geist, der wenig von Grabenkämpfen oder engen Genregrenzen hält und nach dem Motto «Vieles ist möglich» vorgehen will. Ein Optimismus, der uns oftmals abgeht und gerade jetzt, wo filmpolitisch so vieles ansteht, ganz hilfreich sein könnte. 

Abgesehen von der Politik: Wir wünschen Ihnen einen ­schönen Filmsommer – draussen an der frischen oder drinnen in der gekühlten Luft. 

 

Kathrin Halter

 

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