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Editorial

Die Studiokino-Krise verlangt nach neuen Ideen

 

So ergeht es vielen Filmen hierzulande: Sie laufen gerade einmal zwei, drei Wochen im Kino, dann sind sie durch. Abgesetzt, verdrängt. Abgenudelt. Hart für Filmschaffende, die oft viele Jahre in die Projekte investiert haben. Hart aber auch für Kinobetriebe und Verleiher. Sie alle leiden unter der gegenwärtigen Krise, die – auch – eine Strukturkrise darstellt, die wiederum, wir wissen es, wesentlich mit der Digitalisierung zu tun hat. Aber reden wir diesmal nicht von der Konkurrenz der Streamingdienste.

Besonders hart trifft die Krise die Studiokinos im Land. Einige von ihnen sind in ihrer Existenz gefährdet; es könnte zu Schliessungen kommen, zumal im Raum Zürich, wo die Anzahl Plätze im Studiokino-Bereich seit 2017, mit der Er­öffnung der sechs Kosmos-Säle, nochmals stark angestiegen ist. Um vierzig Prozent oder 796 auf insgesamt 2ʼ746 Plätze, um genau zu sein.

Nun hat die Neugass Kino AG, die in der Stadt Zürich die Riffraff- und Houdini-Kinos und in Luzern das Bourbaki betreibt, ein Argumentarium lanciert, das Gründe für die aktuelle Entwicklung (aus ihrer Sicht) schlüssig darlegt. Es geht dabei auch um die Multikopien-Starts, die Kinobetreiber in Bedrängnis bringen. Um Fragen der Exklusivität. Oder darum, dass sich Studiokinos mehr voneinander unter­scheiden sollten. An die Adresse des BAK enthält das Argumentarium einen Vorschlag zur Milderung des Problems: Gefordert wird nämlich, anlässlich der Vernehmlassung zur Kulturbotschaft und im Hinblick auf die Filmförderkonzepte von Herbst/ Winter, eine Verdoppelung der Succès Cinéma-­Beiträge für Kinos. 

Wie das? Braucht es wirklich neue Subventionen? Und gibt es weitere Ideen, die die für alle Beteiligten problematische Situation entschärfen könnten? Denn in einem Punkt sind sich alle einig: Wenn die Programme in den Kinos immer schneller wechseln, leidet auch die Angebotsvielfalt.

Wir haben deshalb drei Beteiligte zu einer Diskussion an den Tisch gebeten: Thomas Imbach, Verwaltungsratspräsident der Neugass Kino AG; Yves Blösche von der Filmcoopi sowie Daniel Waser, der neue Präsident vom Schweizer ­Studiofilm Verband SSV. Und haben dabei schon mal eine interessante Einsicht gewonnen: Sich gegenseitig eine Schuld zuzuschieben, hilft nicht weiter. Verleiher und Kinobetreiber sollten sich, bei allen berechtigten Eigeninteressen, auch zusammenraufen. Und nach neuen Ideen suchen – vielleicht auch unkonventionellen, idealistischen, vorerst illusorischen.

Zuletzt noch ein Hinweis in eigener Sache. Wie Sie ­vielleicht bemerkt haben, ist Cinébulletin in der letzten Nummer stillschweigend um eine Sprache erweitert worden: Neu soll das Italienische einen festen Platz im Heft erhalten, in einem Pilotversuch bringen wir jeweils einen Beitrag im italienischen Original – abwechslungsweise übersetzt auf Französisch (wie in der letzten Ausgabe) respektive auf Deutsch (wie diesmal).  Schreiben Sie uns, was Sie von der Neuerung halten.

 

Gute Lektüre wünscht

Kathrin Halter

Aktuelle Ausgabe (PDF)