Er wollte schon immer zum Film. Bereits als Kind träumte Alexandre Schild davon, Schauspieler zu werden. Seine Liebe zum Bild entwickelte er, indem er sich zuerst das Fotografieren und dann das Filmen beibrachte, mit seiner Schwester als Filmobjekt. Der lernbegierige junge Mann nutzte jede Gelegenheit, um neue Bilder einzufangen, und zögerte nicht, dem Schicksal auf die Sprünge zu helfen, indem er lokalen Bands anbot, Videoclips für sie herzustellen.
Vom Start weg ist Schilds filmischer Werdegang als Regisseur geprägt von Begegnungen – mit der Genfer Musikszene sowie mit einer Produzentin, die den Wunsch hegte, junge Filmschaffende zu fördern. Der Autodidakt dachte nicht daran, seine Praxis, die seinem Innersten entspringt, an einer Schule umzusetzen, und beschloss stattdessen, direkt in die Filmproduktion einzusteigen. Eine Entscheidung, die er nicht bereut: «Ich wusste, wo ich hinwollte, und ich wollte so schnell wie möglich Filme machen», erklärt er. «Ich setzte es mir zum Ziel, regelmässig Geschichten zu erzählen und bei jeder Gelegenheit einen Film zu realisieren». Das ist ihm gelungen, hat er doch zwischen 2021 und 2024 vier Kurzfilme herausgebracht.
Am Set lernen
Der Lernprozess war für den jungen Filmemacher nicht immer einfach. Schild entdeckte nicht nur im Lauf der Dreharbeiten die Feinheiten der verschiedenen Filmberufe, sondern wurde auch sehr früh mit der Realität der Finanzierungsanträge konfrontiert. Zu seinem Glück konnte er auf die Unterstützung seines Umfelds zählen, das ihm in seinen immer ehrgeizigeren Projekten folgte. «Bei meinem ersten Dreh, der von einem Jugendfonds subventioniert wurde, fragte mich ein Schauspieler nach der Aufnahmeleitung. Ich wusste nicht einmal, was Aufnahmeleitung bedeutet!», erinnert sich Schild lachend an seine Anfänge.
Dennoch gelang es ihm immer, sich rasch an technische Zwänge und an die verfügbaren Mittel anzupassen. Nur wenige Jahre später arbeiteten bereits über 20 Personen am Set des Kurzfilms «Le Dernier Soleil», der dieses Jahr an den Kurzfilmtagen Winterthur gezeigt wird. Solche Dimensionen hätte sich der Filmemacher zu Beginn seiner Karriere nie vorstellen können, doch er lässt sich dadurch nicht aus der Ruhe bringen. Stets neugierig und bedacht, seine Kenntnisse zu erweitern, sieht Schild in der Grösse, die er mit «Le Dernier Soleil» erreicht hat, eine natürliche Weiterentwicklung. Dreharbeiten sind für ihn «der beste Weg, um sich in der Realität des Filmemachens weiterzubilden».
Ein «kompromissloses Engagement»
Neben dem autodidaktischen Wert bietet die Eigenproduktion Schild auch die grösstmögliche gestalterische Freiheit. Dies ist für den Filmschaffenden, der eine umfassende künstlerische Vision hat und sich in seiner Entwicklung nicht einschränken lassen will, zugleich eine Chance und eine Notwendigkeit. Von Natur aus neugierig, entwickelt er eine Affinität zu allen Facetten der Produktion und kann sich nicht mehr vorstellen, nur eine Rolle wahrzunehmen. «Zunächst faszinierte mich beim Film die visuelle Komponente mehr als die erzählerische», fährt der Regisseur fort. Dies ist heute genau umgekehrt, denn Schild versteht den Film als einen langen, allumfassenden Prozess: «Während des Schreibens kommen mir dramaturgische Ideen, doch ich denke auch an ein Bild, eine Musik und sogar schon an den Schnitt».
Kurz gesagt hat Schild bei jedem Schritt das letzte Wort, doch er geht trotzdem auf Anregungen seiner Teammitglieder ein. «Zwischen uns entsteht eine Art intuitiver Dialog, der oft ohne Worte auskommt», bestätigt Chef-Kamerafrau Salomé Rapinat, und fügt hinzu: «Er weiss, was er will, und sein kompromissloses Engagement, bis in die kleinsten Details der Postproduktion, ist, meiner Meinung nach, das, was ihn als Regisseur auszeichnet».
Schild schreibt derzeit an seinem nächsten Projekt, einem Spielfilm, und fühlt sich bereit für diese neue Herausforderung. Mit all seiner Erfahrung ist der erste Langfilm für ihn nur die logische Fortsetzung eines erfolgreichen Werdegangs.