Intimität im Dialog mit Steinen
© Anna Perger
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Intimität im Dialog mit Steinen

Laurine Chiarini 29. Oktober 2026

Naomi Pacifique zeigt ihren neusten Film «In the Heart there is a Stone» an den Internationalen Kurzfilmtagen Winterthur. Mit dem im Maggiatal gedrehten Kurzfilm setzt die junge Filmschaffende ihre Erkundungsreise rund um Intimität, Intuition und unsere Beziehung zur Natur fort.

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Eine Kindheit in Lausanne mit Besuch der internationalen Schule und eine Familie mit türkischen, russischen, schweizerischen und holländischen Wurzeln: Die schweizerisch-holländische Filmschaffende Naomi Pacifique ist wahrhaft international verwurzelt. Bevor sie zum Film kam, galt ihre Leidenschaft den Büchern. Nach einem Bachelor in Literatur der Universität Exeter und einem Master der Universität Oxford wandte sie sich teils durch Zufall, teils aus pragmatischen Gründen, aber mit nicht geringerer Leidenschaft dem Film zu. Obwohl sie ursprünglich in Literatur promovieren wollte, bewarb sie sich parallel dazu an der London Film School und wurde angenommen. Vom Film zu leben ist schwierig, von Literatur jedoch noch schwieriger. Auf den Rat eines Kollegen ihrer Mutter, der Redakteur bei der UNO ist, entschied sie sich so für die Filmkunst.

Als multidisziplinäre Künstlerin folgt sie in ihrem Ausdruck stets einem roten Faden: dem der Freiheit. 2019 gründete die Musikerin, Poetin und visuelle Gestalterin in den Bereichen Foto, Malerei und Collage gemeinsam mit anderen die Produktionsfirma Idle Eye in London. Obwohl sie in ihren Filmen selbst auftritt, bezeichnet sie sich als «Nicht-Schauspielerin» und würde keine Rolle annehmen, die zu stark von ihrer Persönlichkeit abweicht. Als Inspirationsquellen nennt sie Jacques Tati, Chantal Akermann oder Maya Deren, die in ihren Filmen die Essenz ihrer eigenen Körper nutzen, um eine Geschichte zu erzählen. Sie bevorzugt das 4:3-Format, da es am besten geeignet sei, um Beziehungen zwischen Elementen darzustellen und die Oberfläche einer sensoriellen Natur greifbar zu machen. So erkundet sie in erster Linie die Intimität, eine Art Proszenium zwischen Menschen, die sie als Raum «abseits der Macht der Geschlechter» beschreibt, einen vollkommen ehrlichen und verletzlichen Zustand, der dem Publikum auch einen Spiegel vorhält. Voller Dankbarkeit für den Platz, den die Festivals experimentellen Filmen einräumen, konnte die Filmschaffende dank dem Pardino d’Argento, den sie in Locarno 2021 für ihren Diplomfilm «After a room» erhielt, ihre Anstellung bei einer Produktionsfirma für zwei Monate verlassen, um sich ausschliesslich auf ihren nächsten Kurzfilm zu konzentrieren.

Drei Jahre später ist sie wieder in Locarno, dieses Mal als Teilnehmerin der Spring Academy, während sie an ihrem ersten Langfilm «After the Night, the Night» arbeitet, der sich noch im Entstehungsprozess befindet. Für ihren letzten Film «In the Heart there is a Stone», der in Winterthur im internationalen und Schweizer Wettbewerb läuft, wählte sie einmal mehr das Tessin als Drehort. Eine ihrer Grossmütter war Bildhauerin und behauptete, mit Steinen kommunizieren zu können – ein Konzept, das im Widerspruch zu Pacifiques westlicher Erziehung steht. Ein Aufenthalt im Amazonasgebiet, zwischen Bergen und Spiritualität, veränderte ihre Blickweise, und die Aussage ihrer Ahnin ergab auf einmal Sinn. Im Licht dieser Erkenntnis erhält der Titel ihres letzten Kurzfilms eine ganz neue Bedeutung

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Filmstill aus «In the Heart there is a Stone». © Idle Eye

30 Jahre Kurzfilmtage

Was als Filmclub unter Freunden in Winterthur begann, ist 30 Jahre später zu einem der wichtigsten Kurzfilmfestivals Europas geworden. Von anfänglich zwei Tagen wuchs die Dauer auf sechs Tage. Inmitten eines begrenzten kulturellen Angebots habe das Festival versucht, sich gegenüber dem benachbarten Zürich eine eigene Identität zu schaffen, «ein bisschen wie New Jersey gegenüber New York», so der künstlerische Leiter John Canciani. Ursprünglich in erster Linie auf Schweizer Filme ausgerichtet, zeigte das Festival auch einige polnische Werke, «da eines der Komiteemitglieder vom polnischen Film begeistert war». Heute umfasst das Programm rund 200 Filme aus der ganzen Welt und zieht über 18’000 Zuschauende an. Nebst der Veranstaltung selbst unterhält das Festival zahlreiche Partnerschaften, unter anderem mit Fantoche und der Kurzfilmnachttour. Es dient vielen Filmschaffenden als Sprungbrett und bietet ihnen einen weniger stark hierarchisierten Raum als die traditionelleren Festivals, um ihre Arbeit und ihr Netzwerk weiterzuentwickeln.

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