Wenn man über Jahre in der Produktion arbeitet, ist es fast natürlich, dass man sich irgendwann Unabhängigkeit wünscht. Was hat dich dazu veranlasst, eine eigene Produktionsfirma zu gründen?
Bestimmt kennen das viele Kollegen und Kolleginnen: Man möchte Dinge produzieren, an die man wirklich glaubt, mit Menschen arbeiten, deren Stil, Ideen und Interessen man teilt. Man wird dann allerdings bald einmal mit der Realität der Kommissionen, Ausschreibungen und Auswahlverfahren konfrontiert. Anfangs stürzt man sich auf eine Menge Projekte, bis man merkt, dass es manchmal korrekter ist, abzusagen oder an jemand anderes weiterzuverweisen. Inzwischen weiss ich genauer, was ich will und was mich nicht interessiert. Deshalb habe ich auch den Bereich Produktionsdienstleistungen aufgebaut. In einem Umfeld wie im Tessin wäre es schwierig, sich ausschliesslich mit Eigenproduktionen über Wasser zu halten, Dienstleistungen bringen Kontinuität und aktiven Betrieb.
Sind Dienstleistungen für Central auch ein Weg, sich zu profilieren, eine Nische zu finden?
Auf jeden Fall, und mir gefällt diese Arbeit sehr. Ich empfinde sie als anregend: Man bekommt einen bestimmten Auftrag und muss ihn zu Ende bringen. Die Vorproduktion ist eine wichtige Etappe, danach müssen aber auch die Dreharbeiten, die konkrete Realisierung des Projekts begleitet werden – das ist der dynamischste Teil. Wir sind im Tessin momentan die einzige Firma, die in dieser strukturierten Weise Dienstleistungen erbringt, mit allem Material und der Infrastruktur für Sets. Damit zogen wir auch mehrere Werbeproduktionen an – endlich gibt es jemanden, der so was vor Ort organisiert.
Hat das Tessin einen grossen Markt für Werbung?
Nicht besonders. Früher verfügten Werbeproduktionen über riesige Budgets und waren oft die lukrativsten Aufträge, aber im Lauf der Jahre sind die Summen geschrumpft, und KI hat den Prozess vermutlich noch beschleunigt. Für das Tessin entscheidet man sich vor allem wegen der Landschaften: Pässe, die Tremola, der See. Produktionen aus der Schweiz oder dem Ausland fragen uns immer nach solchen Bildern.
Ist im Tessin alles vorhanden, was du für die Produktionen benötigst? Stösst du in Bezug auf die Infrastruktur an Grenzen?
Ich kann nicht immer alles auftreiben. Manchmal muss ich mich an jemanden in Italien oder Zürich wenden. Was die Infrastruktur betrifft, möchten erstaunlich viele Produktionen in Kliniken oder Spitälern drehen, aber aus organisatorischen Gründen oder wegen Privatsphäre und Vertraulichkeit stellt sich im Tessin praktisch keine Einrichtung zur Verfügung. Schwierig ist es auch mit dem Personal. Wir haben hier sehr fähige Fachleute, aber nur wenige Führungsfiguren mit profunder Erfahrung in einem einzelnen Bereich. Menschen von ausserhalb fällt es oft schwer, Einheimischen zu vertrauen, die sie nicht kennen. Ich finde das schade, wir haben im Tessin kompetente Menschen, die die gefragten Funktionen übernehmen könnten. Bei meinen Produktionen versuche ich immer, einheimische Fachleute zu berücksichtigen, statt jemanden von auswärts zu holen.
Ihr habt vor Kurzem an Fulvio Bernasconis Serie «La linea della palma» mitgearbeitet, einer für das Tessin wichtigen Produktion. Wie war diese Erfahrung?
Da es sich um fast sechzig Drehorte handelte, war die Arbeit aufwändig, aber auch toll. Wir waren eine grosse Gruppe, und trotz der endlosen Tage war die Zusammenarbeit wirklich angenehm. Auf eine lange Vorbereitungsphase folgten dreizehn Wochen Dreharbeiten, und wir standen ziemlich unter Druck, weil wir in kurzer Zeit viel Material drehen mussten. Zu den beteiligten Städten – Lugano, Paradiso, Melide – bauten wir gute Beziehungen auf. Wir kontaktierten die Behörden und die Polizei lange im Voraus, um sie auf die Dreharbeiten für die Serie vorzubereiten. Sofort ins Gespräch zu kommen, war wichtig: Es waren viele Menschen beteiligt und gab viele Anliegen von unserer Seite. Wir diskutierten über mögliche Probleme und Alternativen. Das hat sich sehr bewährt. Eine gute Zusammenarbeit vor Ort ist wichtig, weil man ja auch in Zukunft dort arbeiten wird.
War «La linea della palma» eine Art Präzedenzfall in Bezug auf den Kontakt zwischen Filmproduktionen und lokalen Tessiner Behörden?
Ja, bestimmt. Davor hatten wir vielleicht ein oder zwei Mal pro Jahr mit diesen Ämtern zu tun. Diesmal waren wir während mehrerer Monate im Kontakt und bauten so eine engere Beziehung auf. Viele Behörden verstehen nun besser, wie die Arbeit an einem Film funktioniert: Unsere Zeitpläne, die benötigte Flexibilität, die Abhängigkeit vom Wetter. Sie wissen nun konkreter, was es bedeutet, einen Film zu drehen, und ich glaube auch, dass sie mit dem Resultat zufrieden sind.
Ihr habt auch an «Citadel» mitgearbeitet, einer von Amazon produzierten Serie. Wie war die Zusammenarbeit mit der Plattform?
Es war eine gute Erfahrung. Die einzige echte Schwierigkeit war, dass viele Anliegen spät kommuniziert wurden, und wir entsprechend kurzfristig agieren mussten. Im letzten Moment die Uferpromenade von Lugano zu sperren, ist nicht ganz einfach. Aber am Schluss klappte es, und alle waren zufrieden. Das Ganze war auch für die Stadt eine Herausforderung: Sie war zum ersten Mal mit einer so grossen Produktion konfrontiert. Plattformen haben endlose Protokolle, das sind wir uns in der Schweiz nicht gewohnt. Auf dem Set kontrolliert immer jemand aus dem Studio, wer reingeht, wer sich dort aufhalten darf, und sorgt dafür, dass niemand Fotos macht. Abgeschirmte Sets, auf denen auch mal 200 Personen arbeiten. Es gibt viele Sicherheitsprotokolle und man muss zahlreiche Geheimhaltungsvereinbarungen unterschreiben. Alles ist streng vertraulich, und das macht die Arbeit manchmal fast ein bisschen paradox: Man muss Dinge beantragen, ohne wirklich erklären zu dürfen, worum es geht.
Das Tessin wird oft als Brücke zwischen der Schweiz und Italien betrachtet. Wie erlebst du die Zusammenarbeit mit Italien?
Es gibt ziemlich grosse gewerkschaftliche und organisatorische Unterschiede. In Italien gelten andere Arbeitszeiten als in der Schweiz, die Pausen, der Umgang mit Überstunden und Sonntagsarbeit werden anders gehandhabt. In Italien wird selten sonntags gearbeitet, weil die Kosten dadurch total in die Höhe schnellen würden; für Schweizer Teams ändert sich hingegen oft nicht viel.
Sprechen wir über die Filme, an denen ihr beteiligt wart: Ein roter Faden sind wohl langjährige Kooperationen.
Wir haben seit Jahren einen guten Kontakt zu einigen Produktionsfirmen in Italien und der Schweiz. Mit Tempesta haben wir zum Beispiel an «Gloria» von Margherita Vicario und «Piercing» von Margherita Ferri gearbeitet. Nun laufen, zusammen mit Beauvoir, die Vorbereitungen für ein weiteres Projekt. Wir vertrauen uns gegenseitig: Wenn sie im Tessin drehen wollen, rufen sie direkt uns an. Im Fall von Tempesta ist es interessant zu sehen, mit welchen Projekten das Unternehmen in die Schweiz kommt. Sie arbeiten oft mit jungen, sehr talentierten Regisseurinnen zusammen, die genau wissen, was sie wollen. Jede hat ihren Stil und ihre Art zu erzählen, aber es gibt einen roten Faden: Junge Frauen mit einer präzisen Vision.
Welche Art Geschichten interessieren dich, wenn du selbst produzierst?
Ich fing mit Kurzfilmen an. Das ermöglichte mir, das System kennenzulernen und zu verstehen, wie ich mich darin bewegen muss. Danach stand das Wachstum von Central als Dienstleistungsfirma im Vordergrund. Dieses Jahr kehre ich aber wieder zur Produktion zurück, mit zwei Dokumentarfilmen und einem Kurzfilm. Der Kurzfilm stammt von einer jungen Tessiner Regisseurin. Ich habe mir bewusst viel Zeit genommen, um das Projekt im Detail zu prüfen. Sie gefällt mir als Person: Wir stehen im Dialog, tauschen uns aus, sie hat eine tolle Energie. Die beiden Dokumentarfilme gehen hingegen auf mein persönliches Interesse an Sardinien zurück, wo sie beide spielen. Es sind zwei ganz unterschiedliche Projekte: Der eine Film ist eine Koproduktion, der andere bisher nicht, aber ich überlege gerade, auch andere Partnern dazuzuholen.
Versione originale italiana
Sara Buehring Nurchis: costruire
produzioni, creare relazioni
Fondata nel 2019 insieme a due colleghi che in seguito hanno preso altre strade, Central Productions è oggi profondamente legata alla figura di Sara Buehring Nurchis, che in una vecchia centrale elettrica di Lugano ha creato un punto di riferimento per i servizi alla produzione in Ticino.
Dopo anni di lavoro nella produzione, la voglia d’indipendenza è quasi un passaggio naturale. Qual è stato il motore che ti ha convinta a creare la tua casa di produzione?
Sicuramente una cosa comune a molti colleghi: il desiderio di produrre qualcosa in cui si crede davvero, insieme a persone che condividono stile, idee e interessi comuni. Poi però ci si scontra con la realtà delle commissioni, dei bandi e dei sistemi di selezione. All’inizio ci si butta su tantissimi progetti, poi si capisce che a volte è anche più corretto dire di no o indirizzare altrove. Oggi ho le idee più chiare su ciò che voglio portare avanti e su ciò che non mi interessa. Per questo ho sviluppato anche l’attività di servizi alla produzione: in un contesto come il Ticino è difficile sostenersi solo con produzioni proprie, mentre il service permette continuità e concretezza operativa.
Fare service è stato anche il modo per Central di profilarsi, di trovare una nicchia?
Assolutamente sì, e occuparmi di service mi piace molto. È un lavoro più stimolante: ricevi un incarico preciso e devi portarlo a termine. La pre-produzione è importante, ma poi devi seguire le riprese, la realizzazione concreta del progetto, ed è quella la parte più dinamica. In questo momento siamo gli unici in Ticino a fare service in modo così strutturato, con tutti i materiali e le infrastrutture per i set. Questo ha attirato anche diverse pubblicità qui, perché finalmente c’era qualcuno in grado di organizzarle sul territorio.
La pubblicità ha un mercato importante in Ticino?
Non molto. Un tempo le pubblicità avevano risorse enormi e spesso erano i lavori meglio pagati, ma negli anni i budget si sono abbassati e credo che l’intelligenza artificiale abbia accelerato ulteriormente il processo. Quando scelgono il Ticino, comunque, lo fanno soprattutto per i paesaggi: i passi di montagna, la Tremola, il lago. Sono sempre quelle immagini a richiamare le produzioni, svizzere e internazionali.
In Ticino trovi tutto quello che ti serve per le produzioni? Ci sono limiti strutturali?
Non trovo sempre tutto. A volte devo rivolgermi all’Italia o a Zurigo. In termini strutturali invece sembra incredibile, ma moltissime produzioni chiedono di girare in cliniche o ospedali e in Ticino praticamente nessuna struttura accetta riprese, per motivi di privacy o organizzativi. Anche sul piano del personale ci sono difficoltà. Abbiamo professionisti molto capaci, ma pochi capi reparto con esperienza consolidata in un unico ambito. E spesso chi arriva da fuori fatica a fidarsi di figure che non conosce. Questo mi dispiace, perché ci sono persone molto valide che potrebbero ricoprire quei ruoli. Nelle mie produzioni cerco sempre di dare spazio alle professionalità ticinesi invece di chiamare qualcuno da fuori.
Recentemente avete lavorato alla serie di Fulvio Bernasconi «La linea della palma», una produzione importante per il Ticino. Che esperienza è stata?
Con quasi sessanta location è stato impegnativo, ma anche bellissimo. C’era un grande gruppo e, nonostante le giornate infinite, è stato davvero piacevole lavorare insieme. Abbiamo avuto tredici settimane di riprese, oltre a una lunga preparazione, e la pressione era notevole perché bisognava girare tanto materiale in poco tempo. Con le città coinvolte — Lugano, Paradiso, Melide — abbiamo costruito un ottimo rapporto. Abbiamo iniziato a lavorare con gli enti pubblici e con la polizia con largo anticipo, anche per prepararli all’arrivo della serie. Era importante aprire un dialogo subito: c’erano tante persone coinvolte e molte richieste da parte nostra. Abbiamo discusso insieme eventuali problemi e possibili alternative. È stato molto soddisfacente. Lavorare bene sul territorio è fondamentale, perché poi continui a lavorarci anche in futuro.
«La linea della palma» ha creato un precedente nei rapporti tra produzioni cinematografiche ed enti territoriali in Ticino?
Sì, sicuramente. Prima avevamo a che fare con questi uffici magari una o due volte all’anno. In questo caso invece abbiamo lavorato insieme per mesi consecutivi, costruendo un rapporto più stretto. Molti enti pubblici oggi hanno capito meglio cosa significhi lavorare con una produzione: le nostre tempistiche, la necessità di flessibilità, i cambiamenti dovuti al meteo. Hanno compreso più concretamente cosa voglia dire fare un film e credo siano stati contenti anche del risultato finale.
Vi siete occupati anche di «Citadel», la serie prodotta da Amazon. Com’è lavorare con le piattaforme?
È stata una bella esperienza. L’unica vera difficoltà è che molte richieste ci sono arrivate tardi e di conseguenza anche noi abbiamo potuto muoverci con poco preavviso. E chiudere il lungolago di Lugano all’ultimo momento non è semplicissimo. Alla fine ci siamo riusciti ed erano tutti soddisfatti, anche per la città è stata una sfida: era la prima volta che si trovava a gestire una produzione di quelle dimensioni. Con le piattaforme ci sono protocolli infiniti a cui in Svizzera non siamo abituati. Sul set è sempre presente qualcuno dello studio che controlla chi entra, chi è autorizzato a stare lì, che nessuno faccia fotografie. Sono set blindati, anche con duecento persone al lavoro. Ci sono molti protocolli di sicurezza e numerosi accordi di non divulgazione da firmare. Tutto è estremamente riservato, e a volte questo rende il lavoro quasi paradossale: devi fare richieste senza poter spiegare davvero di cosa si tratta.
Il Ticino viene spesso raccontato come ponte tra Svizzera e Italia. Com’è lavorare con l’Italia?
Ci sono differenze sindacali e organizzative importanti. In Italia lavorano con orari diversi rispetto alla Svizzera, cambiano le pause, la gestione degli straordinari, il lavoro domenicale. Gli italiani difficilmente lavorano la domenica perché i costi aumentano moltissimo; per le troupe svizzere invece spesso non cambia quasi nulla.
Parliamo dei film a cui avete lavorato: sembra esserci un filo rosso comune, con collaborazioni consolidate nel tempo.
Negli anni abbiamo costruito e mantenuto relazioni con le stesse case di produzione, sia italiane sia svizzere. Con Tempesta, per esempio, abbiamo lavorato a «Gloria!» di Margherita Vicario e «Piercing» di Margherita Ferri. Ora stiamo preparando un altro progetto insieme a Beauvoir. Si crea una fiducia reciproca: quando vogliono girare in Ticino, chiamano direttamente noi. Con Tempesta è interessante vedere quali progetti decidono di portare verso la Svizzera. Spesso lavorano con giovani registe molto forti, con idee chiarissime. Ognuna ha il proprio stile e il proprio modo di raccontare, ma c’è sicuramente un filo rosso: sono giovani donne con una visione precisa.
E quando invece sei tu la produttrice, che tipo di storie vuoi portare avanti?
Ho iniziato con dei cortometraggi. Era un modo per capire il sistema e imparare come muovermi, poi mi sono concentrata sulla crescita di Central come società di service. Quest’anno però sto tornando alla produzione con due documentari e un cortometraggio. Il corto è di una giovane regista ticinese. Ho deciso di prendermi il tempo necessario per valutare bene il progetto. Mi è piaciuta lei come persona: c’è dialogo, confronto, una bella energia. I due documentari invece nascono da un interesse personale per la Sardegna, dove sono ambientati entrambi. Sono progetti molto diversi tra loro: uno è una coproduzione, l’altro per ora è una produzione Central, ma sto valutando se aprirlo anche ad altri partner.