Fulvio Bernasconi, Regisseur
«La linea della palma» ist nicht deine erste Fernsehserie («Quartier des banques», zwei Staffeln, 2017 und 2019). Was gefällt dir an diesem Format?
Ich arbeite gern für ein breites Publikum, und Serien sind mittlerweile offenbar zur dominanten, beliebtesten und am stärksten nachgefragten Erzählform geworden. Ich mag Serien auch in erzählerischer Hinsicht: Dank ihrer Länge ist es möglich, Geschichten auszuweiten, mehr zu erzählen, mit komplexeren Figuren und unterschiedlichen Perspektiven zu arbeiten. Ich habe in letzter Zeit darüber nachgedacht, wie dieser Hunger nach Serien zu erklären ist. Vermutlich lassen sich in diesem Format komplexere Themen angehen: Es wird immer schwieriger, die Welt zu verstehen, vielleicht brauchen Geschichten deshalb mehr Entwicklung, und die Menschen suchen diesen Raum.
Du erkundest oft verborgene, geheimnisvolle Seiten der Schweiz. Wirst du das weiterführen?
Ich habe einen ziemlich politischen Blick auf die Welt und die Gesellschaft. Mich interessieren dunkle Geheimnisse, hinter denen sich Gewalttaten, Ungerechtigkeiten, Ungleichheiten verbergen. Ich versuche immer, über solche Dinge zu erzählen, auch in verschleierter Form, meiner Meinung nach, ist das eine Aufgabe von uns Filmschaffenden. Die dunkle Seite, das, was nicht sichtbar ist, zieht mich an.
Die visuelle Identität von «La linea della palma» ist stark und präzise. Wie wurde sie konzipiert?
Das war einer der Aspekte, über die ich am meisten nachgedacht habe. Wir wollten ein bestimmtes Lugano zeigen, mit einer idyllischen, glatten, beruhigenden und schönen Oberfläche, gleichzeitig aber auch in der Tiefe graben, in den Untergrund eintauchen und eine düsterere, dunkle, verborgene Seite zeigen. Ein Fokus liegt auch auf dem Element Wasser, das in der Serie eine wichtige Rolle spielt. Wir wollten etwas rund um die Bucht von Lugano entwickeln und die Stadt als eine Art Amphitheater einsetzen, in dem sich das Drama und die Geschichte abspielen. Die Stadt eignet sich von der Morphologie her gut für diese Idee, sie ist wie ein Ort, an dem alle alles sehen, aber niemand die ganze Wahrheit erfassen kann.
Es gibt in der Besetzung ein paar Tessiner Schauspieler und Schauspielerinnen, die Hauptrollen werden aber grösstenteils von Italiener und Italienerinnen gespielt. Finden sich im Tessin keine geeigneten Personen für die Hauptrollen?
Das Besetzungsproblem besteht nicht nur im Tessin, es betrifft die ganze Schweiz und ist einfach eine Frage der Zahlen. Es wäre utopisch zu denken, dass man das gesamten Ensemble im Tessin finden kann. Das Gleiche gilt auch für die Westschweiz. Die Arbeit mit den Darstellenden gefällt mir an meinem Metier am besten, ich habe grossen Respekt vor ihrem Beruf und würde mich freuen, wenn sie mehr Gelegenheiten hätten, sich weiterzuentwickeln, aber daran mangelt es bei uns, und man wird auch durch praktische Erfahrungen besser.
Was für ein Tessin wird dem Publikum in «La linea della palma» präsentiert?
Ich versuche immer Filme zu drehen, die man sich auf der ganzen Welt ansehen kann. Natürlich bin ich stolz darauf, das Tessin in seiner Schönheit zu zeigen, auch weil es mir sehr am Herzen liegt: Ich fühle mich im Wesentlichen als Luganeser. Die Handlung weist ortstypische Elemente wie etwa das Zollfreilager Punto Franco oder das Bankgeheimnis auf, behandelt aber auch völlig universelle Themen: Familie, Verlassenwerden, Erinnerung, Trauma. Wir wollten die Gegend realistisch darstellen, mit ihrer Hilfe gleichzeitig aber auch etwas vermitteln, was über den spezifischen Ort hinausweist und alle anspricht.
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Mattia Lento, Ko-Drehbuchautor
Sie haben das Drehbuch zu dritt geschrieben. Wie lief das ab?
Das Ganze begann 2019, als die RSI eine Ausschreibung für Projekte für fiktionale Fernsehserien machte. Da ich eine Mafiageschichte einreichen wollte, kontaktierte ich sofort Maria Roselli. Ich kannte ihre Sendungen über kriminelle Organisationen in der Schweiz, sie ist Investigativjournalistin und recherchierte zu diesem Zeitpunkt gerade über Caravaggio: So kamen wir auf das Thema. Wir holten dann Monica Zapelli dazu, eine erfahrenere Drehbuchautorin, die in den ersten Phasen mitarbeitete. Sie verliess die Serie später, leistete aber einen wichtigen Beitrag dazu: Sie empfahl uns, tiefer in die Figurenzeichnung zu gehen und schon von der ersten Fassung an immer zu versuchen, ausdrucksstark zu sein. Später kam Thomas Ritter hinzu, der sich unsere Ideen anhörte und viel Eigenes beisteuerte. Er tauchte in unsere Welt ein, vertraute auf die Figuren und schaffte es, der doppelgleisigen Dramaturgie Kraft zu verleihen: Es gilt, einen Caravaggio zu finden und einen Vater wiederzuentdecken. Der Krimiaspekt hatte noch gefehlt, und Thomas mit seiner Erfahrung gelang es, unser Tetris zu lösen.
Wie haben Sie die Region Lugano einbezogen?
Ich habe mich viel mit Migration und italienischer Migration in die Schweiz beschäftigt, aber die Hauptfrage, die ich mir stellte, war folgende: Was bedeutete es, aus Süditalien ins Tessin zu kommen? Wie stand es hier um Diskriminierung, ab der Nachkriegszeit? Der Aspekt der Migration war in der ersten Fassung des Drehbuchs ausgeprägter und wurde später abgeschwächt, um näher an der Handlung und den Verwicklungen zu bleiben, aber das Thema bleibt dennoch präsent. Wir wollten die italienischsprachige Schweiz auch als Ort zeigen, an dem sich Menschen, Leben und nicht immer ganz saubere Geschichten kreuzen.
Produktionen dieser Grössenordnung sind im Tessin selten. Wie bleibt man als Drehbuchautor aktiv?
Film ist mein Beruf, auch wenn ich nicht meine ganze Zeit und Energie in diesen Sektor stecke. Ich habe zwei Töchter, arbeite für die monatlich erscheinende Zeitung Area, bin gerne in unterschiedlichen Kontexten unterwegs. Würde ich ausschliesslich im Filmbereich arbeiten, hätte ich existenzielle Ängste, das kann ich mir derzeit nicht erlauben. Beim gegebenen Umfang an Produktionen in dieser Region ist es schwierig, sich eine stabile Berufstätigkeit aufzubauen, wir können aber auch nicht die Kontinuität eines ganzen Landes erwarten. Aus diesem Grund muss das Tessin sich öffnen und als Brücke fungieren, so entstehen sinnvolle Allianzen. Man braucht sich nur unsere Geschichte anzusehen: Dank dem Chef-Autor Thomas Ritter und der Produktionsfirma Hugofilm besteht eine Brücke in die Deutschschweiz, räumlich sind wir im Tessin verankert, und es gibt einen Blick in Richtung Italien, auch in Bezug auf die Produktion. Das ist eine Erfolgsformel.
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Julie Mucchiut, Assistenz Szenenbild
Erste Berufserfahrung bei einer grossen Produktion
Welche Ausbildung bringst du mit?
Ich habe in Lugano das Kunstgymnasium am CSIA besucht. Zu Hause sahen wir uns viele Filme an, und meine Eltern motivierten mich, am Programm Cinema & Gioventù teilzunehmen, der Jugendjury des Filmfestivals von Locarno. Später machte ich einen Bachelor in Graphic & Media Design am London College of Communication. Als ich beim ersten Kurzfilm eines Tessiner Freundes, Giovanni Bolzani, für das Szenenbild und die Kostüme verantwortlich war, erwachte meine Liebe zum Film. Nach vier Jahren in der digitalen Kommunikation des Locarno Film Festival arbeitete ich 2024 bei den Szenenbildern von «A Simple Drama» von Wero Rodowicz und «I fisici» von Agnese Làposi mit.
Wie war es, bei einer Produktion in der Grössenordnung von «La linea della palma» mitzuarbeiten?
Davor hatte ich immer nur bei kleinen Produktionen mit überschaubarem Budget und Stab mitgearbeitet. In diesem Fall waren wir dreizehn Personen. Es war aufschlussreich, Teil einer so klar strukturierten Gruppe zu sein, ich habe viel gelernt, und man übertrug mir auch Verantwortung. Ich bin dem Chef-Szenenbildner Martino Bonanomi und der Art Director Sofia Perego dankbar dafür, dass sie mir so viel beigebracht haben.
Womit hast du dich konkret beschäftigt?
Zu Beginn habe ich das Drehbuch durchgesehen und die für das Szenenbild relevanten Elemente identifiziert, später kümmerte ich mich um das Material, das heisst die Objekte, mit denen die Darstellenden interagieren. Am Set war ich Ansprechperson für den Bereich Szenenbild, zusammen mit den beiden Zuständigen für die Requisiten Gabriele Guariso und Simone Tessari. Ich konnte auch in spezifischen Bereichen etwas beitragen, zum Beispiel technisch: Ich richtete die Set-Telefone ein und kümmerte mich in Zusammenarbeit mit der Regie um die Navigation der Online-Recherchen der Protagonistin. Es war ein Vorteil, dass ich mich vor Ort auskenne: Ich half, Lieferanten, potenzielle Sponsoren und Zweite-Hand-Läden zu finden.
Versione originale italiana
Dopo l’anteprima al GIFF, la serie prodotta da Hugofilm con RSI e ARTE è ora a disposizione del pubblico su Play RSI. Un thriller ambientato a Lugano dove la storia di una famiglia di emigrati italiani s’intreccia con il furto di un’opera di Caravaggio, scomparsa dalla Sicilia nel 1969.
Girata da Fulvio Bernasconi e ideata da Maria Roselli, Mattia Lento e Thomas Ritter, la serie si muove tra il giallo e il dramma famigliare, tra aspetti sociali e storici della terra ticinese e una verità misteriosa da scoprire.
Una grossa produzione per il Ticino, sotto molti punti di vista.
Fulvio Bernasconi, regista
Questa non è la prima serie televisiva che realizzi («Quartier des banques», due stagioni, 2017 e 2019). Cosa ti piace di questo formato?
A me interessa parlare a un vasto pubblico e sembra che tra la gente la serie sia diventata la forma di narrazione dominante, più amata e cercata. Mi piace anche dal punto di vista narrativo: la lunghezza di una serie permette di espandere le storie, raccontare di più, avere personaggi complessi e più punti di vista. Mi sono chiesto ultimamente come mai c’è tanta fame di serie e credo che il loro formato permetta di affrontare maggiore complessità tematica: di fronte ad un mondo sempre più difficile da comprendere, le storie forse hanno bisogno di uno sviluppo maggiore e la gente cerca questo spazio.
Tu esplori spesso i lati nascosti e misteriosi della Svizzera. È qualcosa che vuoi continuare a indagare?
Ho una visione abbastanza politica del mondo e della società. Quello che m’interessa sono i segreti oscuri che nascondono soprusi, ingiustizie, disuguaglianze. Cerco di parlarne sempre, anche in modo velato, e penso sia anche un nostro compito, come registi. Sono attratto dal lato oscuro, da quello che non si vede.
L’ identità visiva de «La linea della palma» è forte e precisa. Come è stata concepita?
È stato uno degli aspetti su cui ho riflettuto maggiormente. C’era la volontà di mostrare una certa Lugano, con una superficie idilliaca, liscia, rassicurante e bella, ma al contempo anche di andare a scavare, calarsi nel sottosuolo e far vedere una parte più cupa, più nera, nascosta. Abbiamo posto l’accento anche sull’elemento dell’acqua, che gioca un ruolo importante nella serie. Volevamo costruire qualcosa intorno al golfo di Lugano e usare la città come una specie di anfiteatro, dove il dramma e la storia si svolgono e la sua morfologia si presta bene a questa idea, come se fosse un posto dove tutti vedono tutto ma nessuno riesce a scorgere la verità fino in fondo.
Ci sono alcuni attori e attrici ticinesi nel cast ma i personaggi principali sono soprattutto interpretati da italiani. Non ci sono attori adatti per i ruoli da protagonisti in Ticino?
Il problema del casting non è in Ticino ma riguarda tutta la Svizzera, è una questione di numeri, semplicemente. È utopistico pensare di trovare tutto il cast in Ticino. Anche in Romandia è così. Ciò che amo di più del mio mestiere è lavorare con gli attori, ho grande rispetto per la loro professione, mi piacerebbe che avessero più possibilità per crescere ma da noi non sono molte e si migliora anche facendo.
Che Ticino vedrà il pubblico ne «La linea della palma»?
Cerco sempre di realizzare qualcosa che possa essere visto in tutto il mondo. Certamente sono fiero di mostrare il Ticino nella sua bellezza, anche perché c’è un legame affettivo: mi sento fondamentalmente luganese. La storia che viene raccontata ha elementi molto caratteristici, come il Punto Franco o il segreto bancario, ma affronta anche temi molto universali: la famiglia, l’abbandono, la memoria, il trauma. Volevamo essere realistici nel modo di rappresentare il territorio, ma anche usarlo per restituire qualcosa che andasse oltre il luogo specifico, qualcosa che parlasse a chiunque.
Mattia Lento, co-sceneggiatore
Avete scritto a sei mani la sceneggiatura, come è andata?
Tutto è partito nel 2019 da un concorso RSI per progetti di serie tv di finzione. Volevo proporre una storia di mafia e ho contattato subito Maria Roselli. Avevo visto i suoi servizi sulle organizzazioni criminali in Svizzera, lei è giornalista investigativa, e in quel momento stava facendo una ricerca su Caravaggio: è così che è nato il soggetto. Abbiamo poi trovato Monica Zapelli, sceneggiatrice più esperta, che ha lavorato al progetto nelle prime fasi. Lei poi ha lasciato la serie ma il suo contributo è stato importante: ci ha suggerito di andare più a fondo con i personaggi e di cercare sempre l’espressività, fin dalla prima stesura. In seguito, si è aggiunto Thomas Ritter, che ha ascoltato le nostre idee e ha aggiunto tanto del suo. Ha cercato di entrare nel nostro mondo, si è fidato dei personaggi ed è riuscito a dare forza a una sfida drammaturgica che viaggiava su un doppio binario: un Caravaggio da ritrovare e un padre da riscoprire. Questo aspetto giallo mancava e Thomas, che ha molta esperienza, è riuscito a risolvere il nostro tetris.
Come avete lavorato sul territorio luganese?
Io mi sono occupato molto di migrazione e di migrazione italiana in Svizzera, ma la domanda principale che mi sono posto è stata: “cosa voleva dire arrivare in Ticino dal Meridione d’Italia?” Qual era il grado di discriminazione presente sul territorio, dal dopoguerra? Questa messa in rilievo dell’aspetto migratorio era più forte nella prima versione della sceneggiatura, poi è stata ridotta per non staccarsi troppo dalla trama e dall’intreccio, ma il tema è comunque presente. Volevamo parlare della Svizzera italiana mostrandola anche come un crocevia di persone, di vite, di storie. Non sempre tutte pulite.
Produzioni di queste dimensioni non sono ricorrenti in Ticino. Come fa uno sceneggiatore a restare attivo?
Sono un professionista dell’audiovisivo, anche se non investo tutto il mio tempo e le mie energie in questo settore. Ho due figlie, lavoro per il mensile Area, mi piace spaziare in vari contesti. Se dovessi occuparmi solo di audiovisivo avrei dei timori esistenziali, e ora non posso permettermeli. È difficile costruire una professionalità stabile con le dimensioni produttive di questa regione, ma non possiamo pretendere la stessa continuità che hanno interi paesi. Per questo il Ticino non può che aprirsi all’esterno e fare da ponte, e nel farlo sta creando alleanze intelligenti. Basta guardare la nostra storia: c’è un ponte con la Svizzera tedesca grazie a Thomas Ritter, che è capo sceneggiatore, e alla casa di produzione Hugofilm; c’è un ancoraggio territoriale in Ticino e c’è lo sguardo verso l’Italia, anche dal punto di vista produttivo. È una formula vincente.
Julie Mucchiut, assistente scenografa
Il primo lavoro su una grande produzione
Qual è la tua formazione?
Ho frequentato il CSIA a Lugano, liceo artistico. A casa vedevamo molti film e i miei genitori mi hanno spita a partecipare a Cinema&Gioventù, la giuria dei giovani al festival di Locarno. Ho ottenuto un Bachelor in Graphic & Media Design alla London College of Communication, ma mi sono innamorata del cinema lavorando al primo corto di un amico ticinese, Giovanni Bolzani, che mi chiesto di occuparmi di scenografia e costumi. Dopo quattro anni nella comunicazione digitale del Locarno Film Festival, nel 2024 ho lavorato alle scenografie di «A Simple Drama» di Wero Rodowicz e de «I fisici» di Agnese Làposi.
Che esperienza è stata lavorare su una grossa produzione come «La linea della palma»?
Finora avevo collaborato a produzioni piccole, con budget e team ristretti; qui eravamo tredici persone. Entrare in un gruppo così strutturato è stato formativo, ho imparato molto e mi sono state affidate anche diverse responsabilità. Sono grata a Martino Bonanomi, capo scenografo, e a Sofia Perego, art director, mi hanno insegnato tanto.
Di cosa ti sei occupata?
Inizialmente ho fatto lo spoglio, individuando gli elementi di scenografia nella sceneggiatura; poi mi sono occupata dei fabbisogni, cioè degli oggetti con cui gli attori interagiscono. Sul set ero la persona di riferimento del reparto scenografia insieme agli attrezzisti, Gabriele Guariso e Simone Tessari. Ho dato anche un contributo in ambiti specifici, come la tecnologia: ho impostato i telefoni di scena e ho collaborato con il reparto regia per elaborare la navigazione delle ricerche online della protagonista. Conoscere il territorio è stato un vantaggio: ho aiutato a trovare fornitori, potenziali sponsor e negozi di seconda mano.